Jaipur, die Stadt ist orange.

Jaipur, eine der Städte in dem Bundesstaat Rajasthan, der mit einer Farbe benannt wird. Jaipur ist die pinke Stadt, aber wie man aus dem Titel herauslesen kann, war die Stadt nicht pink, sondern vielmehr orange. Hannah erzählte, dass sich die orangenen Fassaden vielleicht bei Sonnenuntergang pink färben würden, und die Stadt deshalb so hieße. Wir wissen es nicht.

Als Unterkunft haben wir Tony’s Guest House aus dem lonely planet herausgesucht, ein Hostel, was ich an jeden Leser und zukünftigen Japiurreisenden zutiefst weiterempfehlen kann. Mit einem zehnminütigen Fußmarsch vom Bahnhof aus kamen wir auch schon an, das enge Treppenhaus hoch, Windung um Windung, und schon stehen wir in einem Flur, vorne an der Rezeption ein dickbäuchiger, alter Mann: der Tony. Wir beziehen drei Doppelzimmer direkt auf dem Dach, bekommen Rabatt, da wir in der Off-Saison dort sind und genießen erst einmal einen guten, billigen Obstsalat zwischen Hängematten, Grünzeug und unter tibetischen Gebetsflaggen. Eine wahre Idylle, die leider schon am Morgen um 11 Uhr viel zu heiß ist. Es wurde die Tage über bis zu 45 Grad. Man hatte das Gefühl, ein heißer Föhn würde einem dauerhaft ins Gesicht blasen – auch, wenn gar kein Wind da war. Anstrengend und niederschmetternd. Gegen Nachmittag erst sind wir losgezogen und haben ein bisschen die Gegend erkundet. In unserem Reiseführer wurde von einem Lassi-Shop geschwärmt, den wir dann gleich besucht haben. Die Besonderheit: Der Lassi wird in Tonbechern seviert. Wir haben den Laden schon von weitem gesehen, doch da war nicht ein Shop, sondern direkt drei nebeneinander. Wir teilen uns also auf und jeder probiert von einem anderen. Mich hat verstört, dass die Tonkrüge danach weggeworfen wurden – die werden wirklich nur produziert, damit man sie einmal benutzt und dann wegwirft? Was läuft da schief?

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gut hat er geschmeckt

Wir sind noch weiter durch die Gegend gelaufen, haben an einer Straßenecke frittiertes Sandwich mit Samba gegessen und sind letzten Endes wieder zurück ins Hostel.

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ich glaube, er hat Chapatti gemacht

Am Abend ruft mich noch Karlo an – vom Flughafen in Bangalore. Da das ein kostenloses Telefon war, wurde unser Anruf nach zwei Minuten immer wieder abgebrochen und er musste neu anrufen – die Schlange von wartenden Menschen wurde immer länger und länger. Nunja, er hat die erste Etappe gut überstanden, hat noch eine Nacht in Bangalore zu killen – in welcher er sich ein billiges Hotel genommen hat und sogar noch Präsente für Schwester und Freundin-seiner-Mutter kaufen konnte. Ich bin beruhigt und kann so, trotz 39 Grad, fast wohlig einschlafen.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Plan aufgestellt: Wie irgendwie jede Stadt in dem Wüstenstaat Rajasthan hat auch Jaipur, als seine Hauptstadt, ein Fort, ein Verteidigungsschloss auf einem höhergelegenen Berg. Wir fahren also mit dem Bus zum Amber Fort, welches architektonisch ziemlich beeindruckend war.

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Das Amber Fort [Ausgesprochen Ämer Fort] von vorne und unten.

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das Portrait eines Mannes mit besonderen Augen.

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der Betrachter des Bildes schaut sich Laura an, die die Aussicht und die Ornamente anschaut.

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Hannah, wie sie in einem Türeingang ruht. Die Tür war verschlossen.

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ganz viele Spiegel, an Wänden und Decken.

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Aussicht nummer eins

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Aussicht nummer zwei

Wir haben dort oben viel rumgesessen, Wasser getrunken und ausgeruht – danach sind wir mit dem klimatisierten Bus in die pink City (die natürlich orange war, das muss ich ja gar nicht mehr erwähnen, eigentlich) gefahren, welche die Altstadt Jaipurs ist. Dort haben wir uns das Hawa Mahal angesehen. An dieser Stelle ein bisschen Wissen: Mahal bedeutet Palast. Auch das Taj Mahal ist ein Palast, man sieht die Namensähnlichkeit. Beim Hawa Mahal handelt es sich allerdings um den „Palast der Winde“. Die vielen musterdurchzogenen Wände überall haben angeblich den Wind dazu veranlasst, dort hindurchzubrausen. Ein reicher Maharaja hat dort irgendwann mal einen Harem angelegt und viele Frauen für sein Vergnügen eingesperrt – ein bedrückendes Gefühl hat mir angehaftet, als wir durch die verwinkelten Innenhöfe und über schöne Balustraden spaziert sind. Aber dennoch ein schönes Dings.

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das Hawa Mahal von außen.

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das Hannah Mahal von innen

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diese wunderschönen Farben bezücken mein Auge.

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das Hawa Mahal von der anderen Seite.

Nach diesen zweien Sehenswürdigkeiten, die es wirklich würdig waren und mir deutlich besser gefallen haben als das Taj Mahal, wollten wir zu einem Basar, der auch im Reiseführer ausgeschrieben wurde. Wir mussten bei unserer Ankunft dann leider feststellen, dass es sich nicht um einen schönen Markt oder eine urige Straße handelt, sondern lediglich eine ganz normale Einkaufsstraße ist, die uns gar nicht zugesagt hat. Als Louise und ich dann mit zwei Samosas auf einer Treppenstufe an Rand saßen, bemerkten die Anderen, dass die Stromleitung an der Ecke, bestehend aus wirren Kabeln, geblitzt hat. Es bleiben schon einige Menschen stehen, um sich die Sache genauer anzugucken, da explodiert es da oben noch ein zweites Mal, etwas mehr als vorher, und es verjagt uns von der Treppenstufe. Ich bin jetzt leider dazu veranlasst, mein Samosa im Schnellschritt zu essen, was mich bei der Schärfe sehr um den Verstand bringt.

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Straßenszenerie nummer eins

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und Szenerie numero zwei. Ich will an dieser Stelle mal klarstellen, dass nicht die ganze Stadt so aussah, wie auf den Bildern hier. Ich lade nur die schönen Bilder hoch – hätte ich nicht eine so langsame Internetverbindung, würden mehr Bilder kommen, aber ich versuche, mich auf die sehenswerten Bilder zu beschränken. Ich will hiermit nur versichern, dass die Stadt nicht überall so malerisch aussieht, wie auf den Fotos, die hier zu sehen sind.

Der Tag endet entspannt bei uns zuhause auf dem Roof Top, was für uns den safe spot von Jaipur ausmacht. Es gibt sogar kostenlosen Chai mit starker Ingwer-Note, einer der besten, die ich bisher trank, und einen Minze-Zitrone-Ingwer-Tee, in dem ich mein Leben lang baden könnte. Eine Wohltat für den Gaumen, da macht es mir nichts aus, heißen Tee bei heißesten Temperaturen zu kippen, wenn er einfach so gut schmeckt wie kein anderer Tee. Und auch noch kostenlos, was will der arme Reisende mehr, dessen Konto schon leer-gehoben wurde und nun auf Evas Almosen angewiesen ist. Nichts: Tee ist das Beste.

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Chai Free. Wenn die beiden beigen Kannen voll waren, jederzeit daraus abschöpfbar.

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man bemerke die altmodische Stofflampe, die da im Wind baumelt.

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ein kleiner, unfreiwilliger Nap auf der Händematte im Grünen. Hat gut getan.

Am nächsten Morgen treffen neue Leute ein: Freiwillige aus Mumbai! Das ist ein kleiner Fakt, den ich jetzt erwähnen muss, weil er später noch Wichtigkeit erlangt. Den Tag verbringen wir dann damit, uns den City Palace anzuschauen, wo es ein paar Museumsräume gab und einen Verkaufsraum, wo Männer mit Pinsel und Papier saßen und gemalt haben. Viele der Bilder haben mir sehr sehr gut gefallen, aber aus Geldausgebeunlust habe ich dort nichts gekauft. Jetzt im Nachhinein stört mich das, weil die da wirklich nette Sachen gemalt haben. Ich erinnere mich an dieses eine Portrait von einem alten Mann mit Turban und einem strahlend weißen Bart, den er unten am Kinn jeweils nach links und rechts gekämmt hat, sodass in der Mitte ein Scheitel entstand. Tolles Bild – ein Foto gibt es davon nur leider nicht.

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Einer der netten Securitymänner. Lara hat ihre Tasche da stehengelassen, und wurde bei späterem Wiederholen noch auf einen Chai eingeladen.

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ich erkenne einen konzentrierten Malersblick, wenn ich ihn sehe.

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sein Werk, noch unvollendet.

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Mir gefällt das Bild und der Aufbau – die Kerle wollten ein Bild mit uns.

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ein wunderschöner Torbogen.

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diese Zeichnung wurde von einem der Männer dort für Lara gemalt, inzwischen hängt es bei uns an der Wand. Lara, die sich zuerst als Maria bei ihm vorgestellt hat, aus dem Jux, Fakenamen zu verwenden, hat sich schnell noch verbessert, als er dabei war, die Widmung auf dem Bilde zu hinterlassen. Deshalb ist da ein halbgeschriebenes ‚M‘ – ha ha.

Danach waren wir beim Janta Manta, ein Park, in dem astronomische Gebilde rumstanden. Wir sind ein wenig umhergestreift und haben wenig verstanden. Wir entdeckten einen Raum mit Klimaanlage (!), in dem ein erklärender Film über den Park lief, den wir uns dann direkt mal angeschaut haben. Am Anfagn konnte ich noch aufpassen, kriegte mit, dass dieses eine, große Dings irgendwas mit der Ausrichtung der Sonne zutun hat, aber die külte Luft, die schlechte Aussprache des Sprechers und gleichzeitig die komplizierten Fachbegriffe und meine Müdigkeit haben mich ausgeknocked, sodass ich da auf dem Stuhl mit Armlehnen zusammengesackt und eingeschlafen bin. Nunja, es war sowieso viel zu heiß in dem Park, wir haben nur noch unsere Wasserflaschen dort aufgefüllt und sind wieder gegangen.

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da ich geschlafen habe, kann ich keine erklärenden Worte zu diesem Dings hier abgeben. Verzeihung.

Irgendwie ging der Tag vorbei, wir waren bestimmt noch was essen, sind durch die dunklen Straßen gestreift und haben zurück auf dem roof top noch lange mit den Freiwilligen aus Mumbai gequatscht.

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Männer vor dem Alkoholladen am Abend.

Am letzten Tag in Jaipur sind Eva, Hannah, Louise und ich zu dem Hanuman Temple gefahren, mit einem Bus, dessen Fahrer uns abzuziehen versuchte. Ich erinnere mich noch daran, wie die Fahrer 100 Rupien von uns vieren verlange haben, für eine Strecke von einer Viertelstunde. Jeder von uns drückt dem Beifahrersmann einen Zehner in die Hand und wir machen den Abmarsch. Julia und Lara sind zu Hause geblieben, da die zwei ausschlafen wollten, deshalb gibt es leider keine Bilder von dem Tempel. Nach einem mäßig weiten Fußmarsch, bestehend aus bergauf und bergab kommen wir bei dem Affentempel an. Wir entdecken Affen.

Viele Leute waschen sich da unten in dem Wasserbecken. Der Aufbau dieses Ortes ist nicht leicht zu beschreiben, aber ich werde es mal versuchen: Wir kamen einen Weg aus herabführenden Treppenstufen herunter, rechts von uns, nur weiter unten das große Waschbecken. Beim Weiterlaufen kam dann rechts der große Tempel, dann ein großer Höhenabfall und noch weiter unten wieder ein Wasserbecken, in dem aber keine Menschenseele war. Dort war das Wasser auch grün, lief dort siffig an den bemoosten Felswänden hinunter. Wir gehen noch etwas weiter, links und rechts auf dem breiten, von Felsen umrahmten Weg zwei Tempel. Ein Mann, der oben an den Stufen steht, winkt uns hoch. Wir entledigen uns also unserer Schuhe und stapfen hoch, zusammen mit einem Dänen, der sogar ein bisschen Deutsch konnte. Der Mann macht die Pooja für uns, ich entdecke ein herrenloses Räucherstäbchen, der Mann macht uns das Bindi auf die Stirn, bindet uns den roten Faden ums Handgelenk (welcher tatsächlich heute immer noch dort ist) und verlangt sein Geld. Ich werfe zwei Rupien hin und wir machen, dass wir da wieder fortkommen.

Das frische Bindi auf unseren Stirnen stinkt wie die Pest, bemerken wir, als wir wieder unten an den Stufen stehen und unsere Schuhe anziehen. Wir wischen es schleunigst weg. Als wir den Rückweg gemeistert haben, halten wir für eine Erfrischung der Marke Coca-Cola, die in Indien allgegenwärtig ist und mit pepsi immer um den Aufkauf der meisten Marken wetteifert. Eigentlich jedes Getränk, was man hier aus dem Kühlregal nimmt, ist entweder von Cola oder Pepsi. Oder Nestlé.

Wir quatschen ein wenig mit den Männern, die auch dort am Kiosk sitzen, reden über den Tempel und sonstige Sehenswürdigkeiten, und lassen uns kurzerhand von einem Mann dort in seiner Rikscha mit zu einem Stoffdrucker nehmen, wo .. Stoffe bedruckt wurden. Es gibt diese Technik dort in Rajasthan, wo man verschiedene Holzblöcke hat, die alle bespielsweise einen Elefanten zeigen, aber unterschiedliche Teile des Elefantens sind jene, die dann stempeln. So werden dann viele, viele mehrfarbige Elefanten gedruckt und zu Kleidung oder Tischdecken oder sonstigem weiterverarbeitet. Als wir dort waren, wurden gerade Blumen gestempelt. Zuerst die Stängel, dann die Blätter, die äußeren und dann die inneren Blüten. Das war sehr interessant. Wir brechen wieder auf, zurück zu Tony’s Guest House. Hannah fliegt heute mit dem Flugzeug zurück nach Bangalore, weil sie wieder arbeiten muss. Als wir jedoch ankommen, sind Lara und Julia nicht mehr da, keiner der beiden geht ans Handy und wir müssen in das Zimmer, um an Hannahs Rucksack zu kommen. Die Zeit spitzt sich zu, doch die zwei kommen noch rechtzeitig wieder und Hannah bekommt erfolgreich ihren Flieger.

Wir lassen uns am Nachmittag noch einmal auf einen Basar ein, der im lonely planet ausgeschrieben stand: den Bopy Bazaar, voll von Kleidung. Wir werden sogar fündig, auch wenn es sich lediglich um die Shoppingmeile von Jaipur handelt. Ich weiß nicht, mein naiver Kopf erwartet mehr, aber am Ende ist Jaipur doch auch nur eine ganz normale Stadt mit einer ganz normalen Einkaufsmeile.

Am Abend nehmen wir den Zug nach Jodhpur. Wie soll ich nur die ganzen Städte mit Jott auseinander halten? Frage ich mich. Durch die Hitze und die Müdigkeit, das Vermissen Karlos und die vielen Städte, die meine Augen schon gesehen haben, konnte ich Jaipur gar nicht so richtig genießen. Ich sehe jetzt, auf den Bildern, zu Hause auf den Bett, wie wunderschön es dort war, aber als ich dort war, ging der Müdigkeitplumssack in meinem Geiste herum und machte allen meinen Sinnen den Buckel voll. Gerne hätte ich viel mehr aufgesaugt, aber ich merke so langsam, wie die lange Reise mir zusetzt. Wie machen solche Leute, die ein ganzes Jahr am Stück reisen, das? Liegt es daran, dass sie mehr Zeit an einem Ort verbringen? Ich weiß nicht, ob mein Kopf in der Lage dazu ist, so viel hintereinander aufzunehmen, ohne dass sich alles miteinander heillos vermischt.

Naja, wir werden weitersehen wie es so läuft, denn so lange wird unsere Reise ja auch gar nicht mehr dauern.

Unsere Gedanken sind schon in der Schule und im Kindergarten, wir hegen Gedanken an unseren Alltag, der uns nur so semi-gut gefällt und können nicht aufhören, die erlebnisreiche Reisezeit mit der des schnöden Schulalltags zu vergleichen.

Morgens um 5 Uhr kommen wir in Jodhpur an.

Delhi – Karlo hat sein Handy verloren

Oh, Delhi war so unspektakulär, ich sträube mich vor dem Verfassen so sehr, dass ich einschlafe, ein, zwei Stunden lang, bis ich mich dann zusammenraff‘, und das kurze Ding jetzt endlich pack‘.

Um ein Uhr mittags kommen wir an, haben 12 Stunden Zeit und müssen dann von kleinem Bahnhof weiterziehen, und dabei den Karlo aus dem Blick verlieren. Der muss nach Bangalore zurück, und so haben wir, zum Glück, einen Flug gebucht und Karlos Besuch: War wunderschön. Dankeschön.

Der Karlo hatte es gerade nicht gut mit der Gesundheit, und so waren die Gefühle zerrüttelt, befreit und zugleich ein Trauerbetreib – Durchfall wartet hinter der Toilettentür, Karlo bezahlt Indiens Gebühr, hält es prächtig durch und verschafft sich Weg bis zum Flughafen, wobei wir uns das letzte Mal unten in der Metrostation trafen. Tränennasser Abschied und zurück zum Freundestisch – wir sitzen in einem Restaurant, geschlagene acht Stunden, schieben gerade eine von vielen Essensrunden, ruhen und erkunden: Diesmal nicht die Orte, sondern die Speisekarte des Restaurants, Speisen von gut-westlicher Sorte, befinden uns in einer guten Balance für viel Zeittotschlagerei. Die Rechnung konnte sich blicken lassen; ellenlang mit Anhang um Anhang, Trinkgeldern und Tamtam handelt es sich um die Längste und Teuerste, die ich in Indien jemals entgegen nahm.

Gut beschmaust reisten wir auch schon auf und davon, in den Zug nach Jaipur in vollstem Galopp.

Amritsar – der goldene Tempel is ja sikh!

Über Amrtisar haben wir uns im Vorfeld schon etwas belesen. Auf dem Arrival Camp sagten sie zu uns: Ey, geht auf jeden Fall nach Amritsar, wenn ihr könnt. Da gibt es einen goldenen Tempel.

Und wir so: Ok, naja, für einen einzigen Tempel jetzt in eine Stadt reisen, die total weit entfernt von allem ist… Gesagt, getan, es lag auf der Route, es hat gut reingepasst.

Unsere Busfahrt war sehr entspannt, obwohl wir in einem A/c semi sleeper saßen, bei dem nichtmals die Fenster aufgingen. Die Fahrt war allerdings nicht so lang und die Aussicht schön, unsere Essenspause lang und die Sonne hell.

Pascale und Johanna hatten uns bei unserem Aufeinandertreffen die Empfehlung für das Wow Backpacker Hostel dagelassen, da die zwei bereits in Amritsar waren. Also stapften wir, nachdem wir den kostenlosen Shuttle vom Bahnhof zum Goldenen Tempel genommen haben, der von den beturbanten Sikhs gefahren wurde. Es gab viele Leute dort, die der Religions des Sikhismus angehören. Ich fand es sehr schön, die großgetürmten und bunten Turbane über aller Menschens Köpfe zu sehen. Der Sinn dahinter: Menschen, die nicht weiterwissen, sollen erkennen können, wen sie um Rat fragen können. So hat es uns zumindest einer der dortigen Sikhs erklärt. Nachdem wir unseren Weg zu dem Hostel gefunden und eingecheckt hatten und dabei zufällig schon wieder auf Pascale und Johanna getroffen sind, sind wir nochmal losgezogen, um der Grenzschließung beizuwohnen.

Auch davon hatten uns Johanna und Pascale schon erzählt. Da Amritsar sehr nah an der pakistanischen Grenze liegt, ist es ein Leichtes, schnell hinzufahren und mit eigenen Augen mitzuerleben, wie mit großem Tamtam das breite Tor zwischen Pakistan und Indien geöffnet und wieder geschlossen wird. Wir nehmen eine Rikscha dorthin, gehen durch die Sicherheitskontrollen und lassen uns in dem stadionähnlichen Betonhalbkreis im Touristenblock nieder – eine der Plätze, die die beste Aussicht auf das Geschehen dort unten hatten. Die Menge war am Jubeln, als die Soldaten da einmarschiert sind und salutiert, ihr Bein bis auf Kopfhöhe hochgeschleudert und beinahe ihre Stirn mit dem Knie weggekickt haben. Auf der Seite Pakistans war auch eine Art Stadion errichtet worden, allerdings deutlich kleiner als auf Seiten Indiens. Nur wenige Menschen konnte man da durch die Bäume erhaschen, im Vergleich zu unserer Seite sah die kleine Menge an Leuten etwas kümmerlich aus.

Diese Parade, das Salutiergehabe und die lauten Jubelrufe der begeisterten Indienliebhaber um uns herum hat mir nicht gut gefallen. Patriotismus ist eins dieser Dinge, die ich nicht verstehen kann. Wenn man damit zugleich auch noch Pakistan „runtermacht“ und ausbuht, obwohl das doch eigentlich auch mal Indien war, was muss da in eines Menschens Kopf vor sich gehen? Hat mir jedenfalls nicht gut gefallen, auf den Zug der Begeisterung konnten wir alle nicht so richtig aufspringen. Vielmehr haben wir das Verhalten aller, Zuschauer wie auch Darsteller, mit Humor bekundet. Auf der Rückfahrt wohnten wir einem schönen Sonnenuntergang bei, und es war spaßig, wenn unsere Rikscha sich mit den anderen Rikschas ein kleinen Rennen geleistet hat und wir immer wieder den gleichen Gesichtern winken konnten. Spätabends waren wir dann noch im goldenen Tempel – und hier setzen dann auch die Fotos wieder ein, denn jene der Grenzschließung haben sich den Speicherplatz mit den Fotos von Dharamsala geteilt.

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Es ist ein Tempel der Sikhs, eine Religion, von der ich eigentlich noch nie etwas gehört habe. Die Männer schneiden sich die Haare und Bärte nicht, wie ich das verstanden habe, sondern tragen seit Kindesalter einen Turban. Bei den Jugendlichen sah der Turban sehr witzig aus, da die Haare zu einem sauberen Dutt mitten auf dem Kopfe platziert wurden, und dann von dem Tuch umwickelt wurde, sodass der Dutt noch immer klar herausguckt. Eine der großen Tugenden der Sikhs ist Hilfsbereitschaft – so kann man von den Turbanträgern eigentlich immer ein freundliches Lächeln und helfende Worte erwarten. Der goldene Tempel, der übrigens in der Mitte eines quadratischen Wasserbeckens war, hat auch riesige Hallen für die Verköstigung der vielen vielen Menschen, die da ein und aus gehen.

Die ganze Organisation des Essens und Kochens und Abspülens wird dort nur von Freiwilligen übernommen, die in langen Reihen Teller und Becher säubern.

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alle spülen

Uns hat ein netter, junger Sikh angesprochen und etwas in dem Tempel herumgeführt. Wir waren zuerst skeptisch, ob er vielleicht Geld dafür haben wolle, weil er uns so viel erzählt, aber er wollte keine Gegenleistung, und so verbrachten wir den ganzen Abend noch in dem Tempel. Wir gingen zusammen essen, in einer großen Halle, dessen Türen geöffnet, hunderte Menschen hinein- und nach etwa einer halben Stunde wieder hinausgelassen wurden. Ich nahm auf dem Boden Platz zwischen Eva und einem weißbärtigen Turbanmann, der mir wortlos vormachte, wie man dort denn isst. Es gehen Leute herum, viele Jugendliche und derlei Pack, die Essen in Wägelchen rumschieben. Wasser war ein einem Kanister, der mit einer Pumpe betrieben wurde, und als der Mann seine Metallschale, die man uns allen hingeschmissen hatte, nach vorne schob, machten Eva und ich das fleißig nach, sodass der Paniwala [der Wasserbringer] die Schale vollpumpen konnte. Wenn man Chapatti haben wollte, musste man die Handflächen so aufhalten, wie wenn man nach dem Zähneputzen seinen Mund mit einer handvoll Wasser ausspült. Wir schlemmen.

Es gibt Chappati, Reis und Dhal [Linsen!], zum Abschluss gab es noch eine Art Milchreis, von dem ich den Namen garantiert einmal wusste, aber jetzt auch mit Laras Hilfe nicht mehr drauf komme. Naja. Süßer Milchreis halt.

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alle essen

Wir liefen noch weiter rum, und Hannah, Karlo, Eva und ich haben uns in die lange Schlange gestellt, die den Tempel in der Mitte mit dem Umliegenden verbindet. Eine lange, breite Stegpassage voller Absperrungen, Geländer und Menschen. Schon hier fing die Vergoldung an, aber man durfte keine Fotos mehr machen.

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das da rechts ist die Schlange. schöner Tempel.

Wir folgen also der Menschenschlange und kommen dem Tempel Stück für Stück näher – er wurde schöner und schöner. Das Ding muss ein Vermögen gekostet haben, auch wenn nur die Äußerste Schicht aus Gold ist – nein, was weiß ich, krassglänzendes Dings auf jeden Fall. Beim Eintreten in der Mitte unten saßen auf einem Podest mehrere Männer, die auf einem Harmonium gespielt haben [das ist ein kleines Klavier, was aber eher klingt wie eine tiefe Mundharmonika] und Verse in einem Singsangton verlesen haben. Es klang sehr schön. Da ist mir erst klargeworden, dass die Musik, die da über das Gelände schallt, seine Live-Musik sein muss. Was für eine Ehre, so vielen Menschen vorsingen zu dürfen. Es klang äußerst gut und passte perfekt in diese für mich neue, weltmenschennette Umgebung.

Der Sikhismus kam mir, als ich dort in dem schönen Tempel stand, nur dezent gestört von den vielen Menschen, die ihr Geld zu den drei Musikern durch die Geländerstäbe, die das Podest vom Rest abtrennte, wie eine sehr schöne Religion vor.

Rund 26 Millionen Anhänger gibt es, die meisten wohnen in Indien. Der Gott, der verehrt wird, ist gestaltlos, also weder Mann noch Frau.

Das Ziel ist es, religiöse Weisheit im Alltag zu nutzen – durch Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Und das hat man auch absolut gemerkt. Der Sikhismus distanziert sich von den anderen großen Religionen seiner Zeit, dem Hinduismus, dem Bhuddismus und dem Islam. Ich bitte an dieser Stelle, ein bisschen im Wikipediaartikel rumzulesen, da das wirklich eine sehr nice und interessante Religion ist.

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von links nach rechts: Eva, Louise mit dem Zwergenhut, Hannah, Lara, ich, Karlo, Julia. In dem Tempel galt Schuhverbot und Haarbedeckungspflicht, deshalb haben wir alle solch bescheuerte Tücherz aufm Kopp.

Unser netter Führerfreund hat uns noch geholfen, das Pilgerheim zu finden, welches neben dem Küchentrakt des großen Komplexes ist. Dort kann man kostenlos oder gegen Spende übernachten – Ausländer kriegen sogar ein Bett, wenn denn eines frei ist. Da wir die erste Nacht im wow backpacker hostel nun schon bezahlt hatten, war unser Plan, die nächste und letzte Nacht dort zu verbringen.

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irgendwo außerhalb.

Wir bedanken uns bei unserem Sikh und machen uns mit guter Nacht auf den Heimweg zum Hostel. Der Weg nach Hause hat uns durch schmale, mysoremarktähnliche Gassen geführt, die des Nachts aber nur unheimlich, stinkig und ungezieferrattig waren. Wir befinden uns kurz vor einer Straßenbiegung, als von oben aus dem Fenster knapp einen Meter an Julias Kopf vorbei ein Müllsack hinuntergeworfen wird. Unten auf der Straße steht noch ein alter Herr, der uns lachend hinterherruft: „Welcome to India!“ Danke, lieber Mann. Das war ein sehr witziger Schockmoment, in unserer müdlichen Erschöpftheit.

Am nächsten Morgen geht es nach einem schlecht-westlichen Frühstück zu dem Park namens Jallianwala Bagh, der auch ganz nah bei dem goldenen Tempel ist. Dort gab es vor längerer Zeit, als die Briten noch dort waren, eine schlimme Schießerei, und deswegen wurde da ein großes Gedenk-Monument gebaut, was wir uns angeguckt haben. Die britischen Soldaten wurden vereinzelt von Buchsbäumen, die durch Metallstäbe geformt waren, dargestellt. Auch hier haben sich die Fotos wieder verabschiedet, ich setze noch immer die Hoffnungen auf den kleinen, deutsch-philippinischen Elfen.

Viele Leute, die da gerade in dem Park waren und für Indiens Unabhängigkeit protestiert haben, als dieser dann unter Beschuss genommen wurde, haben sich aus Protest und Willensfreiheit, selbst über den Tod entscheiden zu können, in einen Brunnen gestürzt, der dort war, weil der Eingang in den komplett von Mauern und Häusern umschlossene Park von Soldaten verstellt war. Es wurden 379 Menschen getötet und 1200 verletzt. Das sind 1579 Menschen zu viel.

Der Brunnen, in den sich die Leute gestürzt hatten, stand immer noch dort – diesmal allerdings vergittert und verglast – in einiger Tiefe war sogar noch Wasser zu sehen. Auch standen an manchen stellen noch Mauern herum, die Einschusslöcher hatten.

Wir sahen also die Überreste eine völlig unnötigen Aktion, die so im Endeffekt der Geschichte rein gar nichts an der Situation geändert hat. Was denkt sich die britische Armee denn bitte dabei, so viele friedliche Demonstranten einfach niederzuschießen, sind die nicht ganz richtig im Kopf? Ein großer, großer Unfug, der da passiert ist. Wenigstens ein schöner Park mit einer interessanten, vielmehr verstörenden Geschichte und vielen Leuten, die Selfies machen.

Außerdem sind wir noch in das Pilgerheim umgezogen, was von einem netten Herrn namens Balwinder Singh beaufsichtigt wird. Auch den Abend haben wir wieder im goldenen Tempel verbracht, außerdem sind Lara und Karlo noch auf Fototour gegangen.

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das Pilgerheim.

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ein Mann, der das heilige Wasser schöpft.

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Ein Mann, der Turban und den traditionellen Armreifen trägt. Bitte werfet einen Blick auf die Wikipediaseite, Bildung bildet.

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hier schlafen die innerindischen Reisenden. Oder sonst alle, die keine Ausländer sind.

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ein Barfußkarlo auf Fototrippendeln, nackten Füßen

Morgens um vier hatte uns der Wecker schon wieder, da wir unseren Zug um 05:35 Uhr nach Delhi erwischen mussten. Den haben wir dann auch erwischt – nur leider hat Karlo sein Handy in dem Pilgerheim liegen gelassen. Ein erneutes Hoch auf die Hilfsbereitschaft der Sikhs, denn inzwischen ist mit Hilfe von Balwinder Singh, Freiwilligen aus Mysore, die zufällig zwei Wochen später auch in dem gleichen Pilgerheim waren, dem Passbildschicken Singhs und meinem Zusammensetzen der Namen und Gesichter das Handy wohl und sicher wieder bei Karlo in Deutschland.

Tolle Sache, Amritsar: Ein toller Ort, nette Menschen.


Diese und folgende Bilder aus den nächsten Orten wurden von der begabten Lara(akka) geschossen und bereitgestellt, die auf instagram unter dem Namen laravalentinax zu finden, und der dort auch gerne zu Folgen ist.

Dharamsala, Indien. Ist eigentlich logisch, dass ich in Indien bin.

Vorneweg kann ich sagen, dass die Fotos von Dharamsala auf Grund von technischen Problemen [wir haben vergessen, die Bilder zu sichern,] nicht bereitgestellt werden können. Es ist gut möglich, dass sich in Deutschland ein fleißiger Elf befindet, der noch ein paar Bilder zu Tage fördern kann, aber das kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Dharamsala also. Laras Grund, nach Indien zu kommen. Es gibt oberhalb von Dharamsala, in McLeod Ganj – was auch der Ort ist, wo wir uns aufgehalten haben – ein Exil für Flüchtlinge, die aus Tibet kommen (dazu später mehr). Außerdem wohnt hier der Dalai Lama!

Morgens um vier stehen Karlo und ich an dem kalten Busbahnhof von Dharamsala, der klein und kümmerlich ist. Viele Leute nutzen die erhöhten, freien Flächen zwischen den Sitzreihen zum Schlafen. Liegen dort komplett unter den dicken Decken, die Gesichter verhüllt und somit nicht erkennbar. Die Businsassen zerstreuen sich langsam, indem sie in Taxen steigen und wegfahren. Ein Mann fragt uns, ob wir uns nicht ein Taxi teilen wollen, damit es billiger für alle ist. Wir verneinen, denn McLeod Ganj ist nicht so weit weg: vier Kilometer. In unserer morgendlichen Müdigkeit denken wir, das mit unserem Gepäck auf den Rücken easy schultern zu können.

Fehlanzeige; es geht steil bergauf, und nach einer Stunde samt vieler Pausen geben wir auf und halten eines der Taxen an, die den Berg hinauffahren. Es geht durch einen Militärstützpunkt, wo links und rechts viele Militärhäuser am Hang stehen, und Serpentine für Serpentine kommen wir unserem Ziel näher: Das Freedom Hostel, was uns die Bangalore-Laura empfohlen hat, die in jenem Moment vermutlich gerade von Dharamsala nach Manali gereist ist. Der nette Taxifahrer lässt uns raus, und wir steigen viele viele Stufen hinab – bis wir nach einigem Suchen dann das richtige Hotel finden. Wir müssen den Besitzer wecken, der uns in Lunghi und Unterhemd das Zimmer aufschließt. Wir schlafen, bis die anderen eintreffen.

Mit den anderen meine ich meine zukünftigen Travelpartner namens Eva, Louise, Hannah und Julia, die gerade aus Rishikesh kamen und eine noch üblere Busfahrt hatten, als Karlo und ich. Die im Reisebüro in Rishikesh gebuchte Busfahrt stellte sich als Betrügerei heraus, und obwohl sie Geld bezahlt hatten, gab es keine freien Plätze mehr für die vier. Stattdessen saßen sie vorne in der Fahrerkabine bei dem Busfahrer und dem Conductor, der wohl ein widerwärtiger Kerl gewesen sein soll.

Ich erinnere mich noch daran, dass Julia meinte, sie würde jetzt noch die Metallstange in ihrem Rücken spüren, die auf der holprigen Fahrt eine konstante Horizontale in ihrem Kreuz bildete. -In dem Falle können Karlo und ich mit unserem Minibus, dem Betrunkenen und der nonexistenten Beinfreiheit ja noch von Glück sprechen.

Wir freuen uns trotz der Erschöpfung und den unschönen Erfahrungen, uns wieder zu sehen. Jetzt fehlt uns nur noch Lara, die am Nachmittag mit dem Flieger ankommen wird. Der erste Tag verging dann auch recht schnell: Wir haben noch etwas geschlafen, gefrühstückt und Wäsche gewaschen. Um die Mittagszeit saßen Eva, Hannah, Karlo und ich draußen und quatschen ein bisschen, als sich ein alter Mann dazugesellte. Es stellte sich heraus, dass er aus Österreich komme. Hannah freute sich und hatte einen ihrer Artgenossen. Als Lara ankam und sich hoch zu Louise und Julia gesellte, saßen die noch immer dort unten und redeten – ein netter Zufall. Es hat sich sogar herausgestellt, dass der Robert sogar noch unsere Mitfreiwilligen Laura und Luise kennengelernt hat. Lustige Sache.

Ein weiterer Aspekt meiner Belustigung waren die entzückten Ausrufe der anderen. „Oh, hier ist es so schön!“ „Ach, die Berge, ich hab sie vermisst!“

Karlo und ich, gerade aus Manali gekommen, belächelten die Aussicht aus grünen Berghügeln, auf denen man nur vereinzelt Schnee finden konnte. Es war, ohne Frage, natürlich immer noch äußerst schön, aber Manali sah dennoch eine Spur atemberaubender aus. Schade, dass ich die Schönheit Manalis mit den anderen Freiwilligen nicht teilen konnte.

Am Dienstag dann gingen wir frühstücken, nachdem wir die ganzen Treppen wieder hochgestapft sind, die wir zu Beginn runterstapfen mussten. Dann haben wir dem Tempel vom Dalai Lama einen Besuch abgestattet, was sehr interessant war. Wir waren dabei, als die Mönche dort gerade eine Zeremonie abgehalten haben – diese bestand aus viel Trommelgeschlage, Glöckchen und Gemurmel aus des Mönches Mündern.

Neben der Tempelanlage war ein Museum, welches die Flucht der Tibeter aus Tibet/China behandelte. Wir haben einen informativen Film geguckt, der sich damit beschäftigte, wie die Leute über die Berge hinweg nach Indien fliehen. Die chinesischen Soldaten sind mir dabei sehr unsympathisch geworden. Naja, es ist ja vielmehr die Regierung, die diese Gesetze macht und ihre Soldaten in die weißen Niemandslandberge schickt, um unschuldige Menschen zu erschießen. Keiner würde es mitkriegen, wenn sie diese einfach ziehen lassen würden. Es macht doch für das Land China keinen Unterschied, ob nun vertrieben oder erschossen! Ich kann diesen Unsinn einfach nicht verstehen.

Auch die Fotos und Texte in dem Museum haben mich sehr bewegt. Davor hatte ich keine Ahnung, was da eigentlich abgeht. Und diese Informa- und Emotionsfülle haben mir verdeutlicht, wie sehr einem die Medien in Deutschland einem da etwas vorenthalten. Auch in der Schule wurde dieses Thema nie erörtert.

Ein Raum in dem Museum hat sich mit Selbstverbrennungen befasst, die unglaubhaft viele Tibeter begangen haben, um den Klauen des Länderklaus zu entgehen. „Wie bitte, Menschen verbrennen sich selbst?!“, waren meine Gedanken und Worte zu Karlo, als ich das gesehen habe.

Ein paar Fakten dazu: Seit also China Tibet besetzt hat, haben sich in etwa einhundertfünfzig Menschen aus Protest selbst verbrannt, zumeist Nonnen, Mönche oder gar Jugendliche. Selbst 2017 gab es bereits vier Menschen, die sich verbrannt haben. Eines der Ziele ist es, dass die Medien darüber berichten, um das Bewusstsein in den Menschen außerhalb Tibets und umliegenden Ländereien anzukurbeln. Bei mir haben sie das auf jeden Fall geschafft.

Tibet sah auf den Fotos wunderschön aus, und auch die Menschen strahlen eine ungemeine Freundlichkeit aus. Aufgrund des dortigen Exils in Dharamsala, sind viele Tibeter anzutreffen, die mir durchweg nett und positiv gestimmt vorkamen. Ich finde es unfassbar, wie man so viel Positivität ausstrahlen kann, obwohl man aus seiner Heimat flüchten musste und Einiges an Leid durchgemacht hat. Starke Leute.

Am Abend waren wir noch in der Hope Gallery, wo wir erneut einen Film über die Flucht aus Tibet angeschaut haben. Ich kann inzwischen die beiden Filme nicht mehr von einander unterscheiden, aber auch diesen fand ich sehr bewegend. Schöner Ort, diese Gallerie, in der es zwar schlechtes Essen, aber am Ende noch eine interessante Unterhaltung gab.

Am Ende des Tages haben wir noch etwas gegessen, ich hatte eine tibetische Suppe, die viel zu scharf war.

Zu viel Tibet in einem Blogeintrag. Schlimm. Danach sind wir müde in die Betten gefallen.

Am nächsten Morgen mussten wir dann auch schon weiter. Es war leider keine Nachtfahrt arrangierbar, also sind wir über den Tag gefahren, nach Amritsar.

Hiermit findet der kürzeste Reisebericht mit den meisten emotionalen Spannungen auch schon ein Ende.

Free Tibet!

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das Bild wurde nicht in Dharamsala geschossen, aber das weiß ja keiner, hö hö.

Manali, Indien. Kalt ists da, das glaubt so mancher! Weil er noch nicht unten war ~

Manali, so heißt der nächste Stopp. Wir sind inzwischen bei der obersten Spitze unserer Route angekommen. Manali liegt in 1949 Metern Höhe und hat nach dem Stand von 2011 8.096 Einwohner. Wir hatten ganze fünf Tage in Manali, und ich will gar nicht so viel rumquatschen, sondern einfach die Bilder, die Karlo sehr schön gemacht hat, für sich sprechen lassen.

Schon auf der Busfahrt saß der Gute mit dem Sucher am Auge neben dem geöffneten Fenster des Volvo A/c semi sleeper bus und knipste ein unscharfes Foto nach dem Nächsten.

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Dieser Nagellack ist schon über einen Monat auf meinen Fußnägeln!

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Ja, liebe Leser, das ist Nebel.

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Wir hatten einen kleinen Halt für Frühstück morgens um sieben, dann ging es weiter. Wir kommen an Nebelbergen und Grünzeug vorbei, an einer alten Frau, die mit Wollsocken vor ihrem Häuschen sitzt.

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Karlo isst ein im Lehmofen gebackenes Parotha, Laura trinkt nur einen Chai.

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Ein beispielhaftes Tal.

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Leider sind ihre Socken nicht drauf.

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Während ich versuche, es mir so bequem wie möglich zu machen und mit grummelndem Magen den Kurven standhalte, freut sich Karlo über die allererste Sicht von schneebedeckten Bergen. Still und leise tauchen sie zwischen den Anderen auf.

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Schnee is there

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Es war tatsächlich ziemlich bequem so!

Nach unserer Ankunft im Mountain Dew Hotel, wo es zwar warmes Wasser gibt, es einem aber nicht erlaubt ist, seine Wäsche selbst zu waschen, erkundschaften wir ein Restaurant in der Nähe. Ich bestelle Avocado-Sandwiches: Sie waren fantastisch. Mein erstes Essen, was ich restlos verputzen kann – seit dem Tip Flop in Rishikesh.

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Wir entdecken, dass viele Menschen herumlaufen, die sehr alternativ aussehen. Oder liegt das nur an den dicken Klamotten, die sie dort oben tragen? Denn was nicht vergessen darf zu erwähnen, ist, dass es selbst tagsüber höchstens 20 bis 21 Grad warm war. In der Nacht waren es locker nur 14 Grad oder so etwas – ich weiß es nicht genau. Wir waren also sehr froh um unsere zwei dicken Kuscheldecken.

Außerdem entdecken wir, dass überall viele fremde Buchenstaben stehen. Es stellt sich heraus, dass es Hebräisch ist. Man sieht also, dass sich der Ort seinen Touristen anpasst. Manali scheint also bei Israelis sehr beliebt zu sein.

Des weiteren gab es eine Aufteilung von Old und New Manali. Wir waren in Old Manali, was auch ganz recht so war, da mir die vielen starken Steigungen gefallen haben und mich an Wuppertal erinnern – Old Manali liegt weiter oberhalb.

Wir sind an unserem ersten Tag noch etwas herumgelaufen, haben schöne Ecken entdeckt und sind sehr früh schlafen gegangen, da mich die Magenverstimmung immer noch im Griff hatte.

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Ich darf auch nicht vergessen, die vielen, lieben, dicken, weichen Hunde zu erwähnen, die der Ort bei sich hatte. Hier kommt ein kleiner Cuteness-Overload der feinsten Sorte.

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Im Hintergrund sehen Sie die Reinkarnation eines Vanillekipferl

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Selfieday

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Eine Schönheit!

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Dieser Hund bekam unser Toast.

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Da hat jemand ein stubbeliges Hundababy in den Händen

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Die beiden hatten eine wunderbare Freundschaft. Zusammen kamen sie um die Ecke gehuscht, als die Katze auf die Steinmauer (im Hintergrund) gehüpft ist, kam der Hund hinterher. Am der Hund gehen wollte, kam die Katze mit. Sehr schön.

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today is a lazy day

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Es war mir kalt an den Händen, also hab ich meine Socken angezogen.

[das waren lange nicht alle Hunde]

Am Donnerstag haben wir eine kleine Wanderung unternommen: weiter den Berg hinauf, bis wir das letzte tourismusgeschwängerte Bistro hinter uns gelassen haben. In einer steilen Kurve treffen wir auf Johanna und Pascale – zwei Freiwillige aus Mysore. Wir sitzen eine gute halbe Stunde in der semi-Kälte und quatschen. Was das nur für ein krasser Zufall ist, sich sonstwo, nur nicht in Mysore, zufällig zu sehen! Wir verfüttern später die harten Toastscheiben, die uns vom Frühstück noch übrig geblieben sind, an einen netten, goldbraunen Hund, der uns den ganzen Weg treu gefolgt ist.

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„Heiliger und gesegneter Ort. Bitte klettert nicht mit Schuhen drauf“ – ohne Schuhe ist in Ordnung?

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Wenn da einfach Hanf am Straßenrand wächst…

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ein toller Hund.

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Da waren viele Waldarbeiterinnen unterwegs. Diese hier haben gerade dicke Holzstämme den Weg zurückgetragen, den wir gekommen sind. 

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ein guter Tee, den wir da hatten.

Wir haben die Berge in einem kleinen Café dabei beobachtet, wie sie dunkler wurden, bis es letztendlich Abend war. Mit einem wunderbaren Ausblick und gutem Tee. Außerdem haben wir noch eine dicke Jacke und einen Poncho geshoppt, um uns gegen die Kälte auszustatten.

Am Freitag dann sind wir quer durch New Manali gelaufen, um Vashisht zu besuchen, was auf der anderen Seite des Flusses Beas liegt, der durch das Tal fließt. Dort sollte es wohl einen Wasserfall geben, welcher unser Wanderziel darstellte. Aber in diesem Falle war der Weg schon Ziel genug. Wir schlenderten an wunderschön geordneten Fruchständen vorbei – und erwarben eine meiner besten Mangos. Meine Wangen und Finger haben geklebt vor fruchtiger Süße dieser sonnenfarbenen, geschmacklichen Gottheiten.

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aesthetically pleasing

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Da hat jemand tibetische Gebetsflaggen durch die Gasse gespannt

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Pflanzen überall

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hier ein unscharfes Bild von Arbeitern, die gerade ein Geländer goldfarben lackieren.

Wir kamen auch an einem Tempel vorbei, wo man in natürlichen Quellen baden konnte, natürlich waren Frauen und Männer getrennt. Vor diesem Tempel wurde ich von einer Familie gefragt, ob sie Fotos von mir machen dürfe – schlussendlich sollte ich noch den kleinen Bruder von dem Mädchen halten, was am Besten Englisch konnte. Eigenartiger Wunsch, aber gut, ich werfe den kleinen hoch, der lacht, alle sind etwas peinlich berührt, weil das irgendwie unangemessen war, ein fremdes Kind hochzuwerfen. Wir lernen: Gib einem Fremden nicht einfach dein Kind zum Festhalten. Wieso macht man sowas.

Den Wasserfall haben wir schon unten von der Straße aus gesehen, aber unser Plan war es eigentlich, noch näher an die Quelle oben im Berg heranzukommen. Nach einer Weile brechen wir aus Anstrengungsgründen allerdings ab. Auch hier war aber auch schon der Weg das Ziel: Süße Welpen am Wegesrand, die Kekse essen, welche jemand Nettes da für sie hingelegt hat. Wir machen außerdem ein „Gruppen“bild und sehen eine Frau mit einem fetten, fetten Kaninchen, was man gegen Geld festhalten darf. Da die Frau neben dem Tempel stand, gehe ich davon aus, dass es sich um so etwas wie ein heiliges Kaninchen handeln muss. Wer weiß?

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Diese Regalbretter sind zum Glück sehr stabil

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ein Yak!

Am Freitagnachmittag haben wir einen Tempel namens Hidimba Devi Temple besucht, der wohl ziemlich häufig von Touristen dort frequentiert wird. Ein schöner Weg bergauf durch den Wald hat uns dorthin geführt. Wir haben viele fotoschießende Leute gesehen und es wurde traditionell getanzt und Musik gemacht. Es gab etwas abseits einen großen, toten Baum, in dessen Inneres man hineinklettern konnte. Kinder benutzen Steine als Rutschen und klettern unermüdlich wieder und wieder hinauf, während die Eltern in der langen Schlange anstehen, um am Tempeleingang ihr Geld zu lassen und einen Segen, heiliges Wasser, groben Zucker und ein Kurkuma-Bindi zu bekommen.

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ein müdes Frühstück

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wenn dieses Steingemälde, was wir auf dem Weg zu dem Tempel gesehen haben, tatsächlich von 1943 ist, hat sich das verdammt gut auf dem Stein gehalten!

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das war ein cooler Tanz. Ähnlich wie der, den die Männer mal bei uns im Dorf gemacht haben, kreisrund im Kreis herum.

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ein weiterer guter Teee am Abend.

Am Sonntag, unserem letzten Tag, haben wir unsere Wäsche abgeholt, die wir bei einer Wäscherei abgegeben haben. Wir bezahlten 90 Rupien für eine Hose und zwei Oberteile – was ich ziemlich happig finde, wenn man bedenkt, dass die Sachen nicht sauber geworden, sind, sondern jetzt nur gut riechen. Außerdem hat die rote Hose ein wenig auf die weißen Oberteile abgefärbt – 1 A!

Old und New Manali wird, abgesehen von einer Straße, durch ein großes Waldgebiet verbunden. Karlo hat gelesen, dass man sogar Eintritt bezahlen muss, für diesen angeblichen Märchenwald. Allerdings saß niemand bei diesem schlechten Nieselwetter in dem Kassenhäuschen, so konnten wir einfach reingehen.

Wir schlenderten herum, spielten „Der Boden ist Lava“, was über viele viele Meter auch gut funktioniert hat, weil der ganze Wald voller Steinbrocken war. Es gab große Bäume [Karlo: „Ey Laura, stell dich mal neben den Baum, damit man sieht, wie groß der ist!“] und viel Moos wuchs dort überall. Nette Hunde haben uns wieder einmal begleitet. Als wir schließlich unten in New Manali rauskamen, mussten wir doch noch 20 Rupien Eintrittsgeld bezahlen. Ein großer Unfug, dass beim Verlassen des Waldes zu bezahlen, aber der Wald war sein Geld schon wert, das muss ich sagen. Wirklich schön, und für indische Verhältnisse auch kaum verdreckt.

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In der Nacht hatte es stark geregnet. Als sich am Morgen die Wolken in den Bergen gelichtet haben, sehen wir, dass die Tannen schneebedeckt sind. 

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Ein wirklich großer Baum.

Am Abend sind wir dann mit unserem Gepäck in den local bus nach Dharamsala gestiegen, den wir am Vorabend gebucht hatten. Der Bus war sehr klein, Karlo hatte keinen Platz für seine Beine, und hinter uns saß ein betrunkener alter Mann, der uns auf Hindi verflucht hat, weil wir unsere Köpfe beim Schlafen aneinandergelegt hatten. Die Fahrt war kurvig und dauerte von sieben Uhr abends bis um 4 Uhr morgens – irgendwann nachts hat uns der Nachbarsmann vom Betrunkenen angesprochen, als der Betrunkene schon ausgestiegen war. Er war sehr nett, studiert in Delhi und reist gerade alleine durch den Norden. Er hat erzählt, dass er aus Tirupati in Andra Pradesh kommt, was gar nicht so weit von Banglaore entfernt ist. Er meinte, dass es da einen Tempel auf einem Berg gäbe, wo man 3000 Stufen hochgehen muss. Wenn man oben angekommen ist, darf man sich etwas wünschen. Er mache das jedes Jahr, sagte er. Ich habe ihn nach den Sachen gefragt, die er sich wünschen würde, und er meinte, dass es immer Ähnliches sei. Es ginge von einem guten Job über eine Frau zu Gesundheit. Netter Kerl.

Manali gehört definitiv zu einem meiner Lieblingsorte in Indien. Es ist ein schönes Dörfchen, in dem man sich entspannen und die Seele baumeln lassen kann. Gerade nach so viel Rumreiserei tat es wirklich ausgesprochen gut, fünf Tage am Stück an einem Ort zu verbringen.

Rishikesh, Indien. Tip Top!

Ja blöd, wir kommen gar nicht in Rishikesh an, sondern in Haridwar. Auf irgendeinem gottverlass’nem Busbahnhof. Der Busfahrer vermittelt uns einen Rikschafahrer, der sagt, er würde uns zum lokalen Busstand fahren. Er hat eine sehr große Rikscha, wir passen alle mit unserem Gepäck hinein. Der gute Mann kann kein Englisch, das sollte ich vorneweg erwähnen. Auf maps verfolge ich unsere Route, sehe: Der Herr fährt irgendwie einmal um den Block. Dann hält er an; wir sind seit zehn Minuten unterwegs und sind Umwege gefahren. Er quatscht einen vorbeifahrenden Rikschamann an und bedeutet uns, zu ihm umzusteigen. Wir sind verwirrt und fordern eine Erklärung ein, aber er kann sie aufgrund fehlender Englischkenntnisse nicht leisten. Zudem werden nicht mehr 100, sondern 120 Rupien verlangt. „Neeee!“, denken wir uns da. Ein Passant versucht, uns das noch einmal zu erklären, aber auch da ist kein Grund rauszuhören. Darf der Rikschafahrer etwa nicht sein Revier verlassen? Wird er dann von den anderen aus seinem Rudel vermöbelt?

Wir steigen aus und laufen, den Direktionen meines Handys folgend, in Richtung Busstand. Es ist verständlich: Der Rikschafahrer wird wütend. Er lässt nicht von uns ab, fährt uns hinterher und ruft laut auf der Sprache Unverständlich zu uns rüber. Als wir eine Brücke überqueren müssen, fährt er so nah an unsere Straßenrandseite ran, dass es fast gefährlich knapp wird.

Mit verbissenen Gesichtern biegen wir auf eine Schnellstraße ab, auf der viele Laster und so großes Zeugs fahren. Die Rikscha kann es sich nicht mehr erlauben, im Schritttempo zu fahren (so denke ich mir), und endlich lässt der Mann von uns ab. Wie kann er denn Geld erwarten, wenn er uns nicht zu unserem Ziel fährt und es nicht erklärt bekommt, warum wir jetzt zu jemand Anders umsteigen sollen, der mehr Geld für die Strecke verlangt?

Nach einiger Fragenstellerei kommen wir endlich zu dem Busstand und nehmen einen einstündigen Bus nach Rishikesh. Karlo hat auf der Fahrt ein Restaurant aus dem lonely planet rausgesucht, welches ich auch schnell auf maps gefunden habe. Wir steigen extra aus dem Bus aus, bevor wir das Stadtzentrum erreichen, sodass wir nur eine Straße hochgehen müssen, um das Tip Top zu erreichen.

Sarahs Gesundheitszustand ist immer noch schlecht. Auf der Busfahrt ging alles gut, und auch bis jetzt war alles noch super.

Ich hatte ein ziemlich nettes Essen, ein Kichererbsencurry mit Naan. Bei vollendetem Klogang und darauffolgender Wiedereinkunft in dem bestuhlten Raum merke ich, dass Sarah nicht mehr da ist. Die Hinterlassenschaft war eine Kotzerei, die im Eingangsbereich gerade von einem Kellner weggewischt wurde. Es ließ sich hauptsächlich Cola dort auf dem Boden finden – aus unerklärlichem Grunde bestand Sarah auf kohlensäurehaltige Getränke.

Ich fand Sarah draußen, mit einer Wasserflasche und einer brockenfreien Pfütze, die sich schonmal dorthin verflüssigte, wo wir hergekommen sind.

Abgesehen von diesen Fauxpas‘ haben wir festgestellt, dass es sich nicht um das Tip Top handelt, was im lonely planet angepriesen wurde.

Wir wollen eine Rikscha zu unserem Hotel nehmen, welches sich allerdings auf der falschen Flussseite befindet. Denn Rishikesh wird von dem Fluss namens Ganges getrennt, und nur zwei Fußgängerbrücken führen dort hinüber. Etwas weiter entfernt gibt es auch eine Autobrücke, aber die Rikscha wäre – logischerweise – nur für sehr viel mehr Geld dahergefahren. Also lässt uns der Fahrer direkt bei der zentralen Fußgängerbrücke Ram Jhula raus. Sarah muss wieder reihern, Ruhe ist dringend benötigt. Wir sehen der Tatsache ins Auge, dass wir die nächste Etappe laufen müssen, und machen uns grummelnd auf den Weg.

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Wohlwissend, dass Rishikesh unsere letzte, gemeinsame Stadt sein wird, sind das ziemlich unrosige Aussichten. Aber was soll man tun? Wir laufen über die volle Fußgängerbrücke, über die gelegentlich auch Kühe wandern und Motorroller knattern. Wir gehen durch eine dörflich anmutende Allee mit weißen Mauern links und rechts, Gärten und Schildern, die Yogakurse und sonstiges anpreisen.

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Schließlich erreichen wir den Ort, an dem unser Hotel laut lonely planet sein sollte. Aber wieder stimmt da irgendwas nicht so ganz. Wir sind zwar sicher am richtigen Ort, findet aber partout das Hotel nicht. Schlussendlich laufen wir wahllos in eines der vielen hinein. Außer Hotels gab es dort nicht viel, und während der Wahl des Hotels wird uns schon klar, dass dies kein guter Ort ist. Denn bis ins Stadtzentrum, welches wir bis dahin noch gar nicht gesehen hatten, ist ein Fußmarsch, eine Brück-berquerung und – nun, weiß ich nicht – erforderlich.

Die Hotelleute teilen uns auf unsere Anfrage hin mit, dass nur noch ein Doppelzimmer buchbar ist. Dieses war auch recht teuer, aber wegen dem aktuellen Status an Beines- und Willensstärke sind wir dort geblieben. Freudig bemerken wir den Wasserkocher, den das Hotelzimmer zu bieten hat. Außerdem wurde Seife gestellt, was mir noch nie zuvor in Indien passiert ist. Wir belächelten allerdings die Bezeichnung „A/c double deluxe room“, da das Zimmer nicht mit air condition – einer Klimaanlage – ausgestattet war. Es fand sich lediglich ein Ventilator. Definitiv wurde das Zimmer mit falschen Federn geschmückt, aber das Bett war weich und nach einem Fallenlassen ist Sarah dann auch schon eingeschlafen.

Es steht fest: Wir können nicht alle hier bleiben! Da Samuel, Chrissi und Sarah am nächsten Tag in aller Frühe schon zum Flughafen in Dehradun (was etwa eine halbe Stunde von Rishikesh entfernt ist) müssen, ziehen Karlo und ich zu Zweit mit unseren Rucksäcken noch einmal los.

Etwa 50 Meter weiter finden wir das Hotel Rosa, wo uns auf unser Fragen hin ein Raum in der ersten Etage gezeigt wird. Der Raum hat sogar einen Balkon, auf welchem gerade ein Affe sitzt. Der Hotelmann verscheucht den Affen. Das Zimmer soll 800 kosten, sagt der Mann. Ich frage ihn, ob sie auch noch billigere Zimmer haben. Er antwortet: „Ok, 700.“ Offensichtlich hat der Mann meine Frage falsch verstanden, aber handeln, ohne handeln zu wollen, ist natürlich auch ganz nett. Ratlos stehen wir dort. Das Zimmer war äußerst ranzig.

Beim Verlassen des Zimmers treffen wir auf ein nettes, deutsches Pärchen. Die zwei raten uns, das Zimmer nicht zu nehmen, und lieber nach etwas Anderem zu suchen. Wir lassen unsere Taschen bei ihnen stehen, um besser herumlaufen zu können, und gehen einem weiteren lonely planet-Ratschlag nach, der sich laut maps in 1,5 Kilometer Entfernung befindet. Na gut. Ich bemerke zähneknirschend, dass auch mein eigenes Wohlbefinden langsam den Ganges heruntergeht.

Wir kommen endlich an, nachdem wir an der Gasse mehrfach vorbeigelaufen sind, haben das Schild vor lauter Schildern nicht gesehen.

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das üble Ding war aber auch komplett am Ende des Ganges

Das Hotel ist voll, also bringt uns der Rezeptionist in das Nebenhotel, was noch was frei hatte, äußerst sauber und für sein weiches Bett, die großen Fenster und das gute Bad für 600 Rupien für Karlo und Laura zusammen erstaunlich billig war. Außerdem gab es einen Trinkwasserbehälter, an dem man sich einfach Wasser abzapfen konnte. Das ist ein Kostenpunkt, den man nicht außer Acht lassen sollte. Eine Einliterflasche Wasser kostet 20 Rupien, eine Zweiliterflasche meist 30 Rupien. Gerade wenn es heiß ist und man viel trinkt, gehen die Scheine da schnell flöten.

Uns hat es einiges an Geraffel erspart, dass ich da trinken konnte, so viel ich wollte.

Wir gehen also wieder zurück, um unsere Rucksäcke bei den Neukennengelernten anzuholen, und sehen dabei ein, wie dumm es war, sie nicht schon vorher geholt zu haben. Mir geht es schlechter und schlechter, so entscheiden wir uns dazu, meinen Körper auf einer Mauer neben einem Parkplatz für die Tempos Rishikeshs, solch große und weiße Quadratautos, zu parken. Karlo holt die Rucksäcke alleine, während mein Geist hart damit zutun hat, nicht auf der Stelle durchzudrehen und dem Magen die Freiheit zu geben, sich sofort zu entleeren. Spitzfidel fühle ich mich.

Karlo kommt wieder, irgendwann, viel zu lang hat er gebraucht, der liebe Kerl. Ich fühle mich wie die reinste Matschbanane, so trägt Karlo also beide Rucksäcke, einen vorn, einen hinten, bis zum Hotel zurück. Dankbar hole ich nach Ankunft den Eimer von der Dusche an das weiche Bett und lasse mich fallen, während Karlo den Check-In macht.

Er kommt rein, um mir zu sagen, dass ich noch in das Hotelregister reinunterschreiben muss, als es mich überkommt und das Essen von heute Vormittag, meinen Magen in höchstem Bogen verlässt. Na, auch wenn das Lokal so hieß, scheint das Essen nicht allzu Tip Top gewesen zu sein. Ich leiste im Anschluss meine Unterschrift und verschwinde schnell wieder im Zimmer.

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eine kaputte Laura lugt aus dem Bad. schöne Fliesen. tolle Farben.

Kotzend und durchfallhabend vergeht der Rest des Tages. Bei mir stellt sich dasselbe ein wie bei Sarah: Jeder Schluck Wasser kommt oben wieder raus, Schwäche ist da und Müdigkeit und Durst. Karlo kümmert sich wundervoll, ich bin ihm sehr dankbar für seine Existenz, da in Rishikesh wie auch jetzt – netter Kerl.

Am Abend kommen Sarah, Samuel und Chrissi vorbei. Der Plan war gewesen, noch zusammen im wirklichen Tip Top, was auch gar nicht so weit entfernt ist, zu Abend essen zu gehen. Ich kann mich aber nicht bewegen, also verabschiede ich mich mehr oder minder abgehackt und awkward von meinen guten Freunden, dort in dem Eingangsbereich des Hotels, weil kein Besuch auf die Zimmer darf. Es fallen Tränen. Bei Wiedereinkunft ins Zimmer kommt direkt die Kotzerei; so gern ich wollte, ich hätte nicht mitgekonnt.

Karlo hat noch Orangen, Äpfel und Trauben mitgebracht, da es mich stark nach Obst verzehrt hat. Am nächsten Morgen vertilgen wir diese und ich verbringe die Zeit bis zum Nachmittag nur noch schlafend. Karlo ist indessen auf Fototour gegangen.

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6.1

Der Affe sieht nett aus. Aber so einer war es, der Karlo gebissen hat.

6.2

Ist es ein Streifenhörnchen? Oder ein Eichhörnchen? Schon beim Arrivalcamp haben wir uns über die Tiere unterhalten und sie Eichstreif getauft.

Am Abend diesen Tages waren wir dann doch noch zu zweit im Tip Top, als der Appetit und die Kraft langsam wieder zurückkehrte. Auch wenn der Durchfall noch da ist. Der ist immer hartnäckig, oder halt auch weich(näckig).

Zuvor saßen wir noch eine Weile an einem der Ghats – so heißen die Treppen, die runter in den Ganges führen. Später im danebenliegenden Tip Top, zur Zeit, als gerade die Sonne unterging, schwirrten die Glocken- und Trommelklänge zu uns hoch, die die Abendzereimonie begleiten. Da fahren Leute aufs Wasser raus und setzen Lichter ins Wasser.

Alles tolle Dinge, die man in Rishikesh unternehmen kann. Oder man macht eine Backwatertour, wie zum Beispiel meine guten Mitfreiwilligen sie sie gemacht haben, als sie ein paar Tage später als wir in Rishikesh waren.

6.3

Bei einem jungen Kerl in einem Reisebüro haben wir dann noch den Bus nach Manali für morgen Abend gebucht. Es gab nur eine Option: Den Volvo A/c semi sleeper bus, was wohl die schlimmste Art zu reisen darstellt. Die Firma Volvo scheint in Indien irgendwie bekannt mit seinen tollen Bussen geworden zu sein. Ein Bus wird mit Volvo gekennzeichnet, wenn er besonders teuer ist. A/c bedeutet, dass der Nachtbus klimatisiert ist, durch eine viel zu kalte Klimaanlage, die dauerhaft in Bertrieb ist. Das bedeutet zudem, dass es meist keine Fenster gibt, die man öffnen kann. In Deutschland ist das ja ganz normal, aber in Indien hat kaum ein Gefährt Fenster, die man anständig luftdicht verriegeln kann. So sitzt man also mit allen Klamotten, die man halt auf seiner Indienreise so dabei hat, im Bus, der dann zusätzlich auch noch ein semi sleeper ist. Der Name ist Programm: Man kann nur so semi gut schlafen. Gut, die Rückenlehnen sind zurückklappbar, wie auch in gewöhnlichen, deutschen Reisebussen. Aber das wars dann auch. Und für eine Reise durch Bergstraßen voller Serpentinen und sonstigen Mist sind semi sleeper wirklich nicht optimal.

So, genug der Heruntermacherei: Der Bus kostet pro Person 1300 Rupien. Das Meiste, was ich seither für einen semi sleeper ausgegeben habe. Das sind 18 Euro für eine Fahrt, die rund 12 Stunden dauern soll. Viel zu viel. Naja, wie gesagt; unsere einzige Option.

Nach einer guten Portion Schlaf gehen wir am nächsten und letzten Tag spazieren, bis hin zu einer german bakery, von welchen es im Norden Indiens so manche gibt. Ich wusste noch gar nicht, dass Deutsche irgendwie für ihre Backkünste bekannt sind, aber german bakeries genießen einen hohen Beliebtheitsstandart – vielleicht geben deshalb viele Besitzer ihren Restaurants und Kioskbuden mit Bäckerszeugs diesen Namen. Ich weiß ja nicht.

Von der german bakery also schauen wir direkt auf die zweite Fußgängerbrücke. Ich glaube, dass Karlo nur in aller Ruhe den Affen fotografieren wollte, der da auf dem Geländer der Brücke hockt (die übrigens in den Farben der indischen Flagge lackiert ist. Viele Dinge auf der Straße haben das an sich. Ob Geländer, Straßenpoller oder Bushaltestellen). Jedenfalls ist mir beim Sichten der Bilder aufgefallen, dass die folgenden drei Bilder alle in der selben Minute aufgenommen worden sind.

Ich finde es beeindruckend, wie die Menschenfülle in so kurzer Zeit von vielen zu keinem (außer dem Affen) wechseln kann.

Zur rechten Zeit machen wir uns dann auf zum Auszug aus Rishikesh, einer Stadt die sicher sehr interessant gewesen wäre, hätte mich die Kotz- und Scheißerei nicht erwischt. Ich erlebe nochmal einen kleinen Kulturschock, als wir diese Hauptverkehrsstraße mit unseren schweren Rucksäcken entlangtaumeln.

Vor einem Restaurant sitzt ein Mann auf einem hohen Thron – seine Aufmachung hat mich irgendwie angeekelt. Sein Gesicht von pinker Farbe dominiert, ein kreisrunder Haarwuchs am Hinterkopf antennenmäßig in die Höhe gegelt, Augenbrauen nachgefahren. Wer sollte in diesem Restaurant sein Essen verzehren wollen?

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Außerdem laufen wir einen steilen Berghang hinunter, an dem viele Bettler sitzen. Darunter auch einige Sadhus, die heiligen Männer des Hinduismus. Ich ziehe meine Polaroidkamera hervor, da ich dem Plan, in jedem Ort ein Foto zu schießen, auf jeden Fall noch nachkommen will.

Rishikesh war voll von Menschen, die ziemlich heilig aussahen – auch wenn an dieser Stelle nur ein unwissendes Stümper aus mir spricht. Wir haben manch große Menschengruppe gesehen, die aus alten, grauhaarigen Sarifrauen bestand, von denen jede einen überdimensionalen Nasenring vom Umfang einer Walnuss an einem der Nasenflügel trägt.

Ich schaue also den Sadhu mit einem fragenden Blick an, während ich die Kamera etwas hochhalte. Er nickt – ich schieße mein Foto und gehe danach zu ihm rüber, um es ihm nach der fertiggestellten Entwicklung zu zeigen. Er fragt mich zuerst, ob er das Bild haben könne. Ich sage ihm, dass die Bilder sehr teuer sind, und ich es mir nicht leisten kann und will, noch einmal das gleiche Foto zu machen. „No problem“, hat er gesagt. Ich war schon überrascht, dass der alte Mann in der Lage war, mich in anständigem Englisch zu fragen, ob er das Bild haben könne. Doch was da im Anschluss folgte, hat mich aus meinen Wolken gehauen: Er sagte so etwas wie „Das hier ist Indien. Es gibt ein Gesetz, welches besagt, dass du immer die Einverständniserklärung des Menschen haben musst, von dem du ein Bild machst.“ Mit diesen Worten hat er mich ein wenig verschreckt, der alte Mann mit dem verfilzten Bart. Wo hat der Herr so gut Englisch gelernt, wenn er doch da auf der Straße sitzt und bettelt? Gerne hätte ich ihm entgegengehalten, dass auf unserer Reise keine Woche vergangen ist, ohne dass ein Foto ohne unsere Einverständniserklärung gemacht wurde, nur hatte es mir völlig die Worte verschlagen.

Stattdessen nickte ich nur blöd daher, bedankte mich für das Bild und wünschte einen schönen Tag.

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Weiter unten des Weges sehen wir ein paar Affen, von einer Art, die ich noch nicht kannte. Sie saßen in den Bäumen, tranken aus den Wasserhähnen, und sahen dabei wahnsinnig elegant und majestätisch aus. Auf jeden Fall haben sie in die Umgebung gepasst, die durch die paar Worte de Sadhus ein bisschen mehr Spiritualität erlangte. Gut, Affen an sich haben erstmal wenig mit Spiritualität zutun, aber irgendwie klebte an dieser Ecke Rishikeshs so eine komische pseudo-meditative Aura. Ich weiß nicht genau, wie ich das beschreiben soll. Viele Leute, die da herumgewandelt sind, sahen sehr zufrieden aus, als würden sie hineinpassen. Aber wenn man bedenkt, dass die vielen Yogaangebote und die unzähligen Ashrams auch nur eine Art sind, Geld zu verdienen, verliert der Ort seinen Zauber. Oder male ich alles schwarz, weil es mir in Rishikesh so räudig ging.

Ich trage noch die Orangen, die Karlo mit mitgebracht hatte, hinten im Netz von dem großen Rucksack mit mir herum, als wir bei dem Busbahnhof Rishikeshs auf den Bus nach Dehradun warten – denn dort erst würde unser toller Volvo A/c semi sleeper abfahren. Eine Kuh, die ein paar Meter neben uns steht, hat die drei großen, runden Leuchtbojen gesichtet und beginnt, meinen Rucksack zu attackieren. Die Kuh tut sich gütlich an dem Netz, während ich den Rucksack abziehe und meine Angst akustisch preisgebe. Hilfe, ein großes, dickes, sabberndes Wesen frisst den Rucksack kaputt und klaut unseren Proviant! Ein Mann wirft Steine nach ihr oder gibt ihr Schläge auf den Rücken, ich weiß es nicht mehr, und die Kuh verlässt uns mit trottendem Schritt.

Angeekelt befördere ich die schleimigen Überreste der Orangen in den Pappkarton, der neben dem Kiosk steht und als Mülleimer seinen Dienst erweist.

Der Bus fährt ein, und wir mit ihm. Wir kommen nach einer halbstündigen Fahrt in die Stadt, in die auch Samuel, Chrissi und Sarah fahren mussten, um ihren Flug zu kriegen. Nur leider werden wir irgendwo rausgeschmissen, und nicht an einem Busstand.

Mit einer Großraumrikscha, die wir uns mit anderen teilen, geht es dann zum Busbahnhof. Der Fahrer meinte, die Fahrt würde zehn Rupien kosten. Bei der Ankunft strecken wir ihm also 20 Rupien hin, wohl zehn pro Person – er gibt uns jedoch einen Zehner wieder zurück. Ein netter Kerl.

An der Plattform nach Manali lernen wir zwei nette Israelis kennen, die auf den gleichen Bus warten wie wir. Karlo und ich kaufen Chips – bei einem flauen Magen vertraue ich lieber auf Tütenkost als dem Essen vom Bahnhofsrestaurant. Die zwei Israelis erzählen beim Vertilgen und Warten, dass sie direkt nach ihrem Wehrdienst nach Indien gekommen sind, und jetzt für drei Monate durch den Norden reisen werden. Ihr Gepäck ist dementsprend riesengroß, und Karlo und ich beömmeln uns deswegen ein bisschen.

Als wir im Bus saßen und unsere zugeteilten Sitzplätze eingenommen haben, schiebe ich den Vorhang zurück und sehe, dass zwischen Fenster und Rahmen jemand hingekotzt hatte. Der Geruch verbreitete sich schnell – auch eingetrockene Kotze hat es noch in sich. Die Eine unserer neuen Freundinnen bietet mir Feuchttücher an. Karlo und ich mussten uns noch einmal ein wenig beömmeln. Kein Wunder, dass die Rucksäcke so groß sind, wenn man daran denkt, Feuchttücher mitzunehmen. Ich habe mir für die Reise im Herbst auf jeden Fall schon fest vorgenommen, so leicht wie möglich zu reisen.

Der Bus war neben uns vieren nur noch von vier Jugendlichen bevölkert, die hinten im Bus das Fenster aufgeschoben [wenigstens gab es Schiebefenster] und geraucht haben. Wir konnten also getrost den Platz wechseln und und auf den unbequemen Sitzen breitmachen.

Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass in Israel jeder dazu verpflichtet ist, seinen Wehrdienst abzuleisten und in die Armee zu gehen. Die Frauen müssen 21 Monate, die Männer drei Jahre dort bleiben. Viele gehen danach nach Indien, weil es da kaum Probleme mit dem Visum gibt – ich erzähle das, weil sich außer mir vielleicht sonst noch jemand wundert, warum so überdurchschnittlich viele junge Israelis durch Indien reisen. Da haben wir den Salat. Ich entschuldige mich nicht für die detaillierten Ausführungen. Lieber füge ich noch hinzu, dass Brechdurchfall nichts feierliches ist. Da denkt man, man tut etwas Richtiges, wenn man sich zum Kotzen vor die Toilette setzt..

Agra, Indien. Leck Mahal

So langsam stellt sich die sonnige Freude auf zu Hause sein. An einem Ort bleiben, in einem weichen Bett schlafen, was man nicht verlassen muss, weil man nach einer Nacht wieder auschecken muss. Das wiederholte Herausholen und Zurückstopfen des sämtlichen Rucksackinhalts nimmt ein Ende, das schwere Schultergewicht kann getrost wieder in die Ecke in heimische Gefilde gestellt werden.

Ohne ein richtiges Bett nach zwei Tagen kommen wir also erschöpft in Agra an.

Direkt bei der Ankunft sind wir irgendwie verwirrt, überrumpelt und schlecht gelaunt, müssen uns mit einer Horde an Rikschamännern auseinandersetzen, die uns erklären wollen, dass angeblich keine Busse ins Stadtzentrum fahren. Ich versuche, mein Handy zum Anzeigen dieser [schlussendlich leidlicherweise] Tatsache zu bringen – es will nicht, also steigen wir mit metaphorisch erhobenen Händen zu einem Rikschafahrer ein.

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Die Gasse, in dem unser Hotel ist, ist sehr eng und stinkt nach Brackwasser. Nun ja, das Hotel mit seinen Angestellten war ein recht netter Platz. Zusammen an der Rezeption haben wir noch unseren Bus in die nächste Stadt, Rishikesh, gebucht. Am Abend waren wir auf dem Rooftop-Restaurant des Hotels noch etwas gegessen. Irgendwie wars schon zu spät, und so kam es, dass uns der dortige Kellner nur ein Gericht anbieten konnte. Wir alle hatten Biriyani-Reis. Ich habe das Internet (noch) nicht gefragt, aber Biriyani scheint wohl einfach Reis zu sein, der mit Gemüse und Gewürzen gebraten wurde – sowas irgendwie.

Als wir alle unseren Bananenlassi und die magere Reisportion aufgegessen hatten, mit Aussicht auf das Taj Mahal in seiner Dunkelheit, kam der Kellner rum und fragte, ob wir alle satt geworden sind.

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Ich musste ihm also erklären, dass ich immer noch Hunger hatte. Er so „okay“, geht weg und kommt mit ein paar Bananen wieder, die er uns schenkt. Fröhlich nehmen wir sie entgegen. Wahrscheinlich das einzig Essbare, was er da in der kleinen Küche noch gefunden hat. Eine sehr nette Geste, die meinen Bauch dann auch gut befriedigen konnte.

Am nächsten Morgen sind wir schon sehr früh aufgestanden, um zum Sonnenaufgang beim Taj Mahal zu sein, welches zu Sonnenaufgang öffnet [außer Freitags, da hat das für gewöhnliche Besucher geschlossen; Ruhetag.] und zu Sonnenuntergang wieder schließt.

Als wir bei den Kassenschlangen kommen, bemerken wir, dass sich nicht genügend Rupien für uns alle in meinem Portemonnaie befinden. Karlo und ich ziehen also nochmal los, um an einem ATM genügend Geld abzuheben. Der Eintritt für eine ausländische Person kostet 1000 Rupien. Das sind fast 14 Euro, ein großer Wucher für dieses Dings.

Wir marschieren ziemlich weit, übersehen einen Automaten, der Zweite hat kein Geld, der Dritte ist locker eineinhalb Kilometer entfernt. Tolle Wurst, denken wir uns auf dem Rückweg. Am Schalter angelangt, bemerken wir, dass man [logischerweise] auch mit Karte zahlen kann. Demnach: Tolle Wurst die Zweite. Außerdem haben die Leute am Schalter dort mein residence permit, meine Aufenthaltserklärung, die beweist, dass ich in Indien lebe und arbeite, nicht anerkannt. So wurde auch mir die Kostenverringerung von 970 Rupien nicht erwährt. Ich beginne, etwas argwöhnisch zu werden.

Wir müssen unsere Taschen wegschließen lassen, da man nur mit Kameras und Handys auf das Gelände darf. Als kleines Präsent für unser ganzes Geld bekommt ein Jeder einen halben Liter Wasser und Schuhüberzieher.

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Wir gehen also rein, und ich will jetzt nicht nerven mit Bildern, die jeder schon kennt. Der Vollständigkeit halber kommen hier fünf halbherzige Bilder:

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unscharfe Blumen

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wir luken in das Innere hinein

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diese Säulen umgeben eine Seite des Geländes im Inneren

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Karlo macht hier ein Foto davon, wie Samuel ein Foto macht. Das beschreibt unseren Ausflug dann eigentlich auch schon in seiner Fülle und seinem Glanz.

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das coolste Bild von allen: Samuel und Karlo posen für die Kamera, und der Inder hier kommt von rechts, stellt sich davor und es wird erneut geposed. Es ist wunderbar.

Wir laufen einmal um den weißen Kasten herum, betreten ihn kurz, machen Fotos und noch mal Fotos und gehen wieder.

Ich muss sagen: Das Taj Mahal ist ja ganz schön anzusehen, der Garten drumherum ist sauber und es ist strahlend hell, aber für mich, als jemand, der die indischen Preise schon gewohnt, ist, waren es die 1000 Rupien dann doch nicht wert. Viele, viele Menschen, die selbst in der „Früh“ um 8 Uhr schon Fotos schießen.

Danach genehmigen wir uns ein Frühstück, in einem vom lonely planet empfohlenen Restaurant, wieder ein Rooftop, wieder mit Aussicht aufs Taj Mahal. Wir mussten lediglich eineinhalb Stunden auf unser Essen warten, die wir mit Karten- und Ukulelespielen rumgebracht haben. Unser Essen war daraufhin noch nicht einmal sonderlich gut. Sarah ging es danach nur schlechter und schlechter, und nach ein paar Kotzereien im Hotel, als wir uns vorsichtig nochmal auf den Weg zu einem Park gemacht haben, ging es nur wieder durch und Sarah reiert auf die Straße, direkt vor ein Café. Einer der Angestellten kommt mit einem Glas Wasser hinaus, Sarah setzt sich dankend hin. Ich habe noch genau seinen Satz im Kopf, der Mann aus dem Café sagte: „Actually, this is mineral water.“ Er hat sogar noch ein zweites angeboten, aber wir sind weitergezogen. An einer Ecke fragen wir einen Polizeimann nach dem Weg, und der teilt uns mit, dass der Park [oder besser gesagt: Diese Fläche, die bei google maps als grün markiert war] gar nicht existiert. Da es Sarah sowieso viel zu schlecht ging, alsdass wir hätten weitergehen können, bewegen wir uns zurück zum Hotel.

An der Ecke des Umkehrens waren ein paar Leute gerade bei der Arbeit, Steine zu meißeln.

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Wir haben den Großteil des Tages dann eigentlich nur noch im Hotel verbracht, soweit meine Erinnerungen reichen.

Etwas, was mich in Agra äußerst verwirrt hat, war die Gleichfarbigkeit der Schilder von den Shops. Jeder kleinste Shop, der zu der Häuserreihe gehörte, hatte oben dran ein dunkelbraunes Schild mit weißer Schrift – jedes Mal die gleiche Schriftart. Hat die Stadt irgendwie gefordert, dass die Schilder genormt werden, oder was soll das? Ich hab das bis dato nur dort gesehen, war verwundert. Wir sitzen lethargisch in der Hitze. Samuel hat sich am Taj Mahal einen Stapel Postkarten besorgt, die er nun fleißig beschreibt. Die Hässlichste überlässt er mir. Es zeigt das Innere des Gebäudes, welches das Grab der Ehefrau des Erbauers beinhaltet. Die Postkarte ist als Einzige schwarz und weiß und passt überhaupt nicht zu den anderen, die alle nur das Taj Mahal aus verschiedenen Perspektiven zeigt. Ich schreibe also Oma und Opa eine Karte, und wundere mich gerade, ob sie inzwischen angekommen ist.

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dieses Bild ist sehr schön. [dieses Bild ist auch schön. Dieser Raum ist schön. Dieser Raum ist auch schön.]

Es war eigentlich ein Glücksfall, dass wir uns noch so lange im Hotel aufhalten durften. Da wir schon um zwölf Uhr mittags auschecken mussten, haben wir den Rest der Zeit dort auf diesen Sofas und an dem schicken Glastisch verbracht. Wir haben auf dem Glastisch auch noch sehr gute Mangos geschlachtet, die Glasplatte war klebrig vor lauter Saftigkeit.

Am frühen Abend ziehen Samuel, Karlo und ich nochmal los, um etwas zu essen. Sarah kotzt immer noch Wasser, wir versuchen das mit Elektrolyten und Anti-Kotz-Pillen zu unterbinden, aber es will nicht so richtig funktionieren. Auch Chrissi ist von ihrer Blasenentzündung angefressen worden, und so kann sich der Appetit nur bei uns Dreien wieder zeigen lassen. Wir finden einen Street-Food-Stand und essen unter Beobachtung vieler abendlicher Augenpaare frisch zubereiteten Reis. Bei unserer Beendigung schenkt uns der Mann noch eine kleine Portion Reis, die mir um Meilen zu scharf war.

Am späten Abend dann machen wir alle uns auf zu der Stelle, wo der Bus abfahren sollte. Wir finden das Reisebüro sehr schnell, und setzen uns davor auf eine lange, breite Treppenstufe. Und dann sitzen wir da, neben der sechsspurigen Straße, fressen Abgase, schauen völlig überbeladenen Lastern nach, entdecken, dass wir unsere Rucksäcke direkt neben eine Ameisenstraße der monströs-groß-schwarzen Art hingestellt haben und entdecken sogar noch eine fette Ratte, die vor uns in das stinkende Abwasser springt.

Agra war mir an dieser Stelle viel zu sehr Chennai.

Generell hat es mir dort auch eher nicht gefallen, was vielleicht auch daran lag, dass eher kränkelnde Stimmung in der Luft lag. Auf gute Besserung und auf nach Rishikesh.

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Dieser kleine Kollege namens Curd [nach Kurt Kobain, indischem Joghurt und Laura & Louises Namensgebenskunst für Geckos] blinzelt und winkt uns huschend und schnell zum Abschied.

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Der Laster, der rast da. Die Rikscha hinterher, das ist gar nicht schwer. Die Dunkelheit umso mehr, sie ist schwer und lieget da in der Luft, mit dem Gestank; eine Wucht.

Mumbai, Indien. in einem halben Tag

Mumbai ist eine große Stadt. Eine sehr große. Mich hätte es da gar nicht so unbedingt hingezogen, aber Sarah meinte während unserer Reiseplanung spontan und laut „Mumbai“ [auch wenn es nur im Whatsapp-Chat war, es kam mit durchaus laut vor] gerufen – so kam es also auf die Liste.

Mumbai ist die Hauptstadt von Maharashtra (so heißt der Bundesstaat dort). Mumbai ist die größte Stadt Indiens und auch eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Oh, und Rudyard Kipling kommt hier her. [Hört man eigentlich, dass ich gerade von Wikipedia abschreibe? Ein paar Fakten sind doch immer nett.]

Von Goa nach Mumbai, das könnte ich noch erwähnen, standen wir auch nur auf der Warteliste. Allerdings war es hier viel knapper und wir hätten, mit einer Unze Glück mehr vielleicht noch ein paar Schlafkojen bekommen können. Wir standen, unmittelbar, bevor die Reise losging, auf Platz 7-11. Also begeben wir uns zu dem Ticketschalter und fragen da mal nach. Die sagen, dass wir uns general tickets kaufen müssen. Die Wartelistentickets verfallen und das Geld bekomme ich wohl nach der Reise auf mein Konto zurückerstattet; so laufe das bei den Indian Railways.

Na gut, wir kaufen also Tickets, die erschreckend billig sind.

Der Zug fährt ein, und wir nehmen mit gemischten Gefühlen in der General-Class Platz. Der Aufbau dort unterscheidet sich von dem der Sleeper-Class darin, dass es nur zwei lange Sitzreihen pro Abteil gibt, darüber jeweils eine Gepäckablage aus dicken Metallstäben auf jeder Seite, und auf der anderen Gangseite beidseitig zwei gepolsterte Sitze.

In Angesicht der Tatsache, dass wir die Nacht irgendwie schlafend verbringen wollen, versuchen wir unseren Platz möglichst geschickt auszunutzen.

Es endet darin, dass sich Sarah und Chrissi eine Sitzbank teilen, halb sitzend, halb liegend, Samuel oben auf der Gepäckablage schläft – die Metallstäbe notdürftig mit einem Schal [oder was es auch war] abgedeckt, ich auf einem Sitz auf der anderen Gangseite sitze und Karlo auf dem Boden zwischen den beiden Sitzreihen liegt.

Dennoch war die Nacht besser als jene im Gang von Chennai nach Bangalore. Tatsächlich musste ich diese Geschichte hier gerade nachtragen, weil ich sie schon vergessen hatte.

Der Plan, den ich während des Zügebuchens ausgefeilt habe, besagte, dass wir morgens am Donnerstag ankommen, und Freitagabend den nächsten Zug nach Agra nehmen.

Durch meine Schluderigkeit bemerke ich leider viel zu spät, dass wir auf Wartelistenplatz Nummer zweihundert-nochwas stehen. Keine Chance also, noch fünf Schlafplätze zu organisieren.

Direkt bei unserer Ankunft also gehen wir nach einem kleinen Frühstück direkt zu einem Infoschalter dort und fragen, was wir da jetzt bezüglich unserer Zuges machen können. Die Frau hinter der Glasscheibe war allerdings keine große Hilfe. Sie meinte lediglich, dass wir das bei einem anderen Bahnhof Mumbais zu klären hätten – denn dort wäre ein Schalter extra für Touristen. Da werde uns weitergeholfen, sagte sie.

Ein Taxifahrer stand schon bereit. Er hatte das Gespräch mitgehört, und meinte, dass er uns hinfahren könne, er habe ein Großraumtaxi. Wir ergeben uns sehr schnell und fahren mit ihm, wohlwissend, dass wir gerade auf eine Touristenmasche reingefallen sind, wie man sie in Mysore auch immer angedreht bekommt. Nunja, der Mann wirkte wenigstens nett und auch erfahren. Er meinte, er erkläre uns den Weg und helfe uns auch beim Beschaffen unserer Tickets.

Gerädert wie immer radelt er uns also durch den Verkehr. Ich bemerke angespannt, wie das Taxameter in die Höhe schnellt. Auf Maps verfolge ich, wie wir durch die halbe Stadt fahren.

Mumbai ist eine sehr längliche Stadt [genau wie Wuppertal!], und wir fahren gefühlt vom einen Ende zum anderen.

Auf der Fahrt über viele Überflieger erzählt uns der Taxifahrer davon, dass Wohnen hier in Mumbai sehr sehr teuer ist [wir hatten umgerechnet, dass es teilweise teurer als in einigen Städten Deutschlands ist], sowie von den vielen Slums, die wie von allein entstehen. Auf dem Land gibt es kaum Arbeit, weshalb viele in Mumbai arbeiten. Wohnraum gibt es allerdings kaum, weshalb viele in Slumvierteln wohnen. Auch von seiner Familie hat er uns erzählt – er hat durch sein Taxifahrerdasein kaum genug Geld, um die Schulgebühren für seine zwei Söhne zu bezahlen.

Wir alle fühlen uns etwas unbehaglich, wie wir da in dem Taxi sitzen, was immer teurer und teurer wird. Als wir bei dem zweiten Bahnhof ankommen, ist mit Mumbai mehr und mehr unsympathisch geworden. Zu viele Hochhäuser und zu viel Dreck zur gleichen Zeit. Wir bezahlen die 1200 Rupien, ein wahrer Wucher, und suchen im Bahnhofsgebäude nach dem Touristencounter. Der Taxifahrer kam natürlich nicht mit rein und hat uns geholfen – war ja auch zu erwarten, dass das nur leere Worte sind.

Die Frau am Touristenschalter war nett, verkündet uns aber leider, dass es für unseren Zug morgen Abend keine freien Plätze mehr gibt. Es gibt nämlich einige Züge, bei denen ein Prozentsatz an Schlafkojen/ Sitzplätzen für Touristen freigehalten werden, welche ja nicht immer die Möglichkeit haben, schon zwei Monate im Voraus ihre Züge zu buchen. Nunja, bei dem Zug gibts das nicht, wir sind also damit geleckt.

Die Frau verkündet uns allerdings, dass am Abend jenes Tages noch ein Zug nach Agra verfügbar sei, bei dem es Touristquota [so heißt das] gebe. Und wir daraufhin so: „OK!“ und schon hatten wir die Tickets in der Hand. Aufgrund meines Visums, was ein Arbeitsvisum und kein Touristenvisum ist, konnte sie uns nur vier Kojen geben, da ich kein Tourist in diesem Sinne bin. Aber wir haben uns, was das anging, arrangiert.

Im Anschluss schließen wir unsere großen Rucksäcke am Bahnhof ein und erkunden die unterste Spitze von Mumbai; Colaba.

Dort steht das Gateway of India, ein großes Tor, was irgendwer gebaut hat, um irgendwen Willkommen zu heißen. Dort waren viele Menschen unterwegs, und viele Selfies und Gruppenbilder wurden geschossen. Ein Mann hat Samuel gefragt, ob er ein Foto machen dürfe.

Wir hatten zuvor schon gewitzelt, dass man mal Geld dafür verlangen sollte – und Samuel verlangte es. „10 Rupees one picture only“, sagte er und: Der Mann ging darauf ein. Wir konnten es alle gar nicht glauben, aber der hat uns doch tatsächlich dafür bezahlt. Stolz zeigen wir uns gegenseitig unseren neugewonnenen zehn-Rupien-Schein. Tolle Sache, die man zwar auch hinterfragen kann – schließlich verkaufen wir unsere Gesichter und weiße Epidermes – aber ich versuche, mich einfach nur an der armselig-witzigen Seite zu erfreuen. Ich habe das später noch weitergeführt, es hat prima funktioniert. Letztenendes hatte ich so 130 Rupien zusammen, immerhin fast zwei Euro, als wir uns dachten: Mensch, du solltest mal die Preise erhöhen und gucken, ob die Leute, die Fotos machen wollen, immernoch einverstanden sind. Bei meinem allerletzten Selfie, geschossen in Goa [muss ich dazu anmerken], habe ich 50 Rupien verlangt und allen Ernstes auch bekommen. Für ein einziges Foto. Mit geschnittener Grimasse. Ich verstehe diesen Drang nach Selfies einfach nicht. Am Ende kam ich mit 180 Rupien über die Bühne. Ist toll, sich so sein Abendessen zu verdienen.

Zurück nach Mumbai. Samuel hatte eine Freundin, die in Mumbai wohnt.

An dieser Stelle fällt mir erst ein, dass ich in der Erzählung über Stinke-Chennai eines völlig vergessen habe, zu erzählen. Eines Abends haben wir uns mit dort mit einer (anderen) Freundin von Samuel getroffen und zu Abend gegessen. War eine nette Runde mit der Adithi und ihren Freunden, die alle für Amazon gearbeitet haben. Gegen 11 in der Nacht waren wir noch in dem Lieblingseisladen von Adithi und haben underbaked gegessen, ein halbgebackener, großer Keks mit einer Kugel Eis nach Wahl. War sehr lecker, aber mein Bauch war so voll vom Abendessen, dass da kaum noch etwas reingepasst hat.

In Mumbai aber hatten wir dann durch die Zugverschiebung nicht mehr genug Zeit, uns mit der weiteren Freundin namens Nidthi zu treffen, stattdessen haben wir ein Restaurant besucht, was sie uns empfohlen hat. Zum Glück lag das auch sehr nah am Gateway of India, sodass wir zu Fuß laufen konnten. Wir mussten ja irgendwie das viele Geld vom Taxi am Morgen mit zu-Fuß-laufen ausgleichen, ha ha.

Auf dem Weg zu diesem Restaurant kamen wir am Museum für moderne Kunst vorbei.

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Wir waren erneut geschockt von dem Kostenunterschied. Ich wäre liebend gern hineingegangen, weil wir ohnehin ein bisschen Zeit zum Totschlagen hatten, aber die anderen hätten so viel blechen müssen. Stattdessen saßen wir vor dem Eingang herum, wurden komisch von den zwei Securitymännern beäugt und machen uns an dem Papier und den Stiften zuschaffen, die vor dem Museum auf einem Tisch lagen. Samuel und ich zeichnen begeistert und schauen uns auch die anderen Zeichnungen an, die dort schon fabriziert worden sind. Es ist sogar eine ziemlich gute Portrait-Zeichnung des einen Security-Mannes dabei! Ich bin fasziniert, wie alle irgendwie dasselbe gemalt haben – naja, logisch, bei dem selben Blick und der selben Perspektive.

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Auf dem Wege zum Restaurant von Samuels mumbai’ischer Freundin laufen wir an Straßenschilder vorbei, die so ungewöhnlich sind, die würde man in Deutschlands Straßen nicht finden. Oder, Papa?
In Mysore gibt es ein Schild auf dem steht „Horn not ok zone„, was so viel heißt wie: Hier ist hupen verboten. Hupen not ok. Erheiternd!

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Das Restaurant hat eine Klimaanlage und wir genießen die Kühle und das gute, aber zu teure Essen. Die Menükarten bestanden aus Ringbüchern mit vielen weißen Seiten dazwischen, und den Gästen war es erlaubt, dort hineinzumalen. Dort stand, dass man, wenn man das tat, ein Freigetränk bekäme. So machten Chrissi und ich und eifrig dadran, mit den beigelegten Filzstiften zu kritzeln. Als wir die Werke dann allerdings einem der Kellner zeigten, sagte er nur: „Ihr müsst mehr malen.“ Anscheinend sollte das ganze Blatt voll sein. Auch als wir alle Freiflächen mit irgendwelchen Mustern gefüllt hatten, haben wir nichts bekommen, sehr enttäuschend.

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Hörnchen aus Teig gefüllt mit Gemüse oder sowas – was sehr lecker war.

Für die letzten Sonnenstrahlen haben wir uns durch den Verkehr geschlagen und in einen Park gesetzt.

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Rush-Hour

Wir waren (natürlich, wir sind ja immernoch in Indien) nicht die einzigen dort. Ein Sicherheitsmann ging herum. Wir schrecken hoch, als er plötzlich in seine Trillerpfeife bläst. Wir wundern uns noch, warum, als ein Mann, der auch im Park lag und offensichtlich geschlafen hat, aufschreckt.

Schlafen ist im Park nicht erlaubt, danke.

Der Sicherheitsmann geht weiter und wir hören seine Trillerpfeife durch den Feierabendverkehr schrillen.

Anschließend sind unsere 12 Stunden Mumbai auch zu Ende und wir machen uns gemächilch und zu Fuß auf zu dem Bahnhof, bei dem wir unser Zeug eingeschlossen haben. Es folgen noch ein paar Zugbilder.

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die meiste Zeit dieser 21-stündigen Zugfahrt haben wir so verbracht. Sitzend, trinkend, essend, lesend, quatschend.

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ein ziemlich netter Sitzplatz, dort an der Tür.

von freiwilligem Strandurlaub und netten Menschen

Es ist Freitagabend, Lisa und ich machen uns auf nach Kundapur, was eine Küstenstadt im Westen ist. Zwischen Mangalore und Goa – es gibt auch einige andere Freiwillige dort, mit denen Lisa schon vorher in Kontakt stand.

Das ist, abgesehen von der Reisezeit, das erste Wochenende, was Lara und ich irgendwo nicht zusammen verbringen – die Gute ist nämlich in Bangalore.

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Kurz vor der Abfahrt: auf dem gammeligsten, kostenpflichtigen Klo Mysores: am Sub-Urb-Busstand. 5 Rupien sind da einfach zu viel.

Schon die Menschen in unserem Sleeper-Bus, den wir aus Mysore nehmen, sind nett. Wir kurven also durch die Nacht, es ist ein wenig kühl, aber: Wer mit minimalem Gepäck reisen will, muss sich darauf einstellen, den Wickelrock als Decke zu verwenden. Und das, so sage ich, wärmt nicht sonderlich.

Wenigstens war es noch besser als auf der Rückfahrt, wo meine Kleidungsstücke von der feuchten Luft [und teilweise auch dem Meerwasser] so durchweicht haben, dass das Lüftchen, was durch den Bus zog, meine Haut zum Gänsen und mich zum Frieren gebracht hat.

Zurück zur Hinfahrt: Wir halten an, in Coorg, Toilettenpäuschen. Es fisselt, Lisa und ich gehen hurtigen Schrittes zur Toilette, als wir ein monstermäßig-tiefes Grollen aus der einen Ecke des Busstands hören. In dem Zwielicht sieht man die Umrisse eines großen Bullen, der scheinbar ein großes, nein – ein lautes – Mitteilungsbedürfnis hat. Auf dem Rückweg der Toilette, die wider Erwartens nicht gammlig war [und das in Indien, auf einer öffentlichen Toilette], sehen wir das kuhliche Gegenstück, welches auf der anderen Seite eines breiten Durchgangs steht, in welchen der Bulle hinein gebrüllt [oder gebullt?] hat. Ja, das istn ziemlich Schlechter, danke, ja.

Wir steigen ein und fallen in Schlaf, bis kurz vor Kundapur. Noch bevor wir am Busstand ankommen, steigen wir aus: an einer großen Straßenkreuzung – das Zentrum Kundapurs. Müde machen wir uns also um sieben Uhr morgens, mit voller Blase und Hunger, auf die Suche nach einem Hotel. Hotel Shalom, was uns von einer ehemaligen Freiwilligen, die wir in Mysore trafen, empfohlen wurde, war voll. Der Mann an der Rezeption hatte ein lustiges Lächeln, was ihn sehr sympathisch gemacht hat. Die JK Residency war auch voll, aber wir durften auf die Toilette gehen und der nette Lunghimann hat uns, als mir meinten, dass uns 900 Rupien (fast 13 Euro) für ein Doppelzimmer zu viel sind, gesagt, dass diese [er zeigte währenddessen in eine Richtung] Straße entlang noch ein Billigeres kommt.

Ein Problem, was ich sicherlich schonmal anführte, ist das indische Unkönnen, Hotels von Restaurants zu unterscheiden. Laura, die Freiwillige aus Bangalore, meinte, dass viele „Restaurant“ nicht aussprechen können, und deshalb ihr Lokal einfacherweise „Hotel“ nennen. So kamen wir also, als wir an der Straße entlangspazierten, zu dem Hotel, was gleichzeitig auch Zimmer hatte. Ha ha. Ich frage einen bebrillten Inder, wo denn die Rezeption sei – wüsste er nicht. War der Eingang neben dem Restaurant. War voll. Wir laufen weiter, wenn man dem Handzeichen des Rezeptionisten trauen kann, wird da sicher noch etwas Anderes kommen.

Neben uns wird ein Auto langsamer; hält an. Dort drinnen sitzen der Brilleninder und seine Frau, die darauf bestehen, uns mitzunehmen. Wir beteuern, dass es nicht mehr weit sein würde, steigen aber dennoch dazu. Der Brillenmann schaltet von der indischen Musik schnell in ein Charts-lied aus unseren Radiogefilden um.

Wir hören nichtmals ein Lied, als links am Straßenrand zwei Gebäude mit der großen Schrift Hotel austauchen. Wir bedanken uns und steigen aus, lassen die zwei verwirrt im Auto zurück. Sie fahren weiter, wir bemerken: Das eine Hotel hat geschlossen. Das andere ist ein Restaurant. Wir laufen weiter. Nach 5-7 Minuten laufens kommt rechts ein höheres Gebäude: wir werden endlich fündig und bezahlen 600 für ein Doppelzimmer im dritten Stock, mit Aufzug und Aussicht. Ein netter, alter, müder und langsamer Lunghimann führt uns hoch, einen Eimer Warmwasser im Schlepptau. Auf dem Gang stehen viele Hotelbewohner, die vermutlich auf diesen warten.

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die Aussicht von zweiten Stock im Hotel. Auf Augenhöhe mit den Kokosnüssen.

Wir duschen und legen uns erstmal wieder hin, als der Alte bei uns klingelt und einen Wassereimer anbietet. Ich zeige auf meine nassen Haare und sage „shower aythu“ – Dusche fertig. Der Mann kippt den Kopf nach links und recht, lächelt, verschwindet. Lisa und ich fallen für zwei Stunden in die Heia und essen danach im Restaurant neben dem Hotel Idli und trinken Chai, für gerade mal 30 Rupien.

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das Hotel-Restaurant. Wir fanden die Stühle dort nett.

Wir überspringen riesige Pfützen, die Regenjacke im Anschlag und schlendern über den Gemüsemarkt, der gegenüber unseres Hotels ist. Mit dem Markt in Mysore war das allerdings nicht vergleichbar. Ich glaube so langsam, dass kein einziger anderer Markt mit dem in Mysore vergleichbar ist.

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voller Planen, der regnerische Markt.

Im Anschluss haben wir einen Bus genommen, der da fuhr und meinten zum Conductor, wir wollen bis zum „Bus stop“ fahren. Wortlos lässt uns einsteigen, ohne ein Ticket auszustellen und Geld zu verlangen. Verwirrt steigen wir am Ende aus, nachdem wir durch die Einkaufsstraße Kundapurs gefahren sind, und befinden uns fast am Ende von dem halbkreisförmigen Kundapurland. Wir laufen eine stille Straße entlang, bis wir an den Backwaters ankommen. Felix, ein ASF-Freiwilliger dort, meinte, dass die Küste Karnatakas genau wie die Keralas sei, nur ohne Touristen. So befinden sich dort, in Kundapur, also auch Backwaters und Muschelverarbeiter und Fischer und Boote. Siehe Blogeintrag über Kochi.

Wir wandern an dem Ufer entlang, schauen den wenigen Bootbedienern beim Boot bedienen zu, schützen uns mit Kapuzen vor dem Regen und bestaunen die Flora, die Fauna und die Pfauen, die wir dort wirklich oft und viel zu Gesich bekommen haben. Viele Blumen und Gewächse werden von meinem Augenlicht aufgefangen, die ich bei uns nicht zu Gesicht bekomme.

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grün, Tempel, Omas Regenjacke

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nasse Herzen in grün

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ein buntes, nasses Haus.

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ein nasser Hundi.

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mir gefällt dieses pinke Häusle dort sehr gut. Schöne nasse Farbe.

Wir erreichen irgendwann eine breite Autobrücke, die glücklicherweise ebenjene ist, die wir überqueren müssen, um zum FSL-Center zu kommen.

Wie auch ICJA ist AFS eine Organisation, und deren indische Partnerorganisation heißt FSL India. Und einer deren Sitze ist in Kundapur – das macht auch eine der wenigen Sehenwürdigkeiten dort aus. Wir besuchen also den kleinen Ort in der Pampa mit einem sehr vollen, stilvoll eingerichteten Bus, der voller Oberschülerinnen war. Als ich mich an der Bushaltestelle vor der Autobrücke erkundigen wollte, ob der Bus in den FSL-Center-Ort [dessen Name mir entfiel] führe, ist der Pulk an Gleichaltigen erst einmal kichernd fünf Meter in die Gegenrichtung gegangen. Ich fühle mich wie ein ausgestoßenes Zootier und suche Zuflucht bei Lisa, bis ich die Frage nocheinmal wiederhole. Eine wahnwitzige Schülerin berichtigt meine Aussprache, daraufhin zeigen sich mehr ihrer Leute des Ortes erkenntlich. „You can take this bus“, sagt eine, zeigt auf den herannahenden Bus.

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Paar-Haar-na-hinne-Frisur mit Oase

Im Center hat uns ein Mann herumgeführt: Dort kommen die Freiwilligen für ihr Arrival-Camp hin. Eine Oase aus Grün, Mangobäumen, neu gepflanzten Aloe Vera Pflanzen, Hibiskus und anderem Zeugs – ich bin beeindruckt. Ich hätte es sehr schön gefunden, meine erste Woche Indien in dieser grünen, sicheren Zone zu haben. Das Ivy Rossa Resort in Bangalore war zwar nicht schlecht, ist aber mit dem FSL-Center unvergleichlich. Zum Schluss durften wir uns an dem Mittagessensbüffet bedienen – sehr nett. Mit frohen Gedanken und angereisertem Bauch verlassen wir den Ort und treffen uns in der Stadt mit dem oben erwähnten Felix.

Ein weiterer Grund neben der Naturschönheit, weswegen Lisa nach Kundapur wollte, war diese Eisdiele, die ihr empfohlen wurde. Felix erzählt von seinem fast beendetem Jahr, von Kundapur und von dem Eisladen, wo sie häufiger sitzen.

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der Eiscremeladen an der Hauptstraße

Wir trinken einen Navarathna – dessen Name mich stark an die gute Frau aus der Schule erinnert. Das Getränk war jedenfalls sehr lecker. Wir treffen uns mit Liv – die, zu Hause, gar nicht weit von Wuppertal wohnt – und teilen uns eine Rikscha zum Strand.

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ein Mann mit Bierflasche, in den gefährlichen Regenwellen.

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Lisa und Laura genießen das Meer mit gelben Jacken.

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diese zwei Kollegen genießen das Meer ohne gelbe Jacken.

Sitzen dort in einer Strandhütte, die zu einer urig-indischen Kneipe gehört und naschen frischdeutsche Katjesbonbons, die mit dem Paket angekommen sind. Ich freue mich, da zu sein. Das Meer ist nah, da ist ein betrunkener Inder, der zu Kopfhörermusik ekstatisch vor sich hin tanzt. Wir sind hin und weg und schauen ihm gebannt zu.

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„Strandmonsuntropfen in Sepia“ – von Felix. Seine Blogadresse, an dieser Stelle: felixindien.wordpress.com 

Inder Zwischenzeit kommen noch Eve und zwei weitere Freiwillige von FSL, deren Namen ich nicht mehr im Kopf habe.

Wir lassen den Abend mit Essen ausklingen – Essen mag ich gerne. Da Liv so weit weg wohnt, fragen wir bei uns im Hotel nach, ob es okay wäre, wenn sie bei uns mit im Zimmer schläft. In Mysore sind wir es gewohnt, dann mehr bezahlen zu müssen, aber der Rezeptionist fragt lediglich nach ihrem Namen und gibt danach sein Okay.

Am Morgen frühstücken wir Buns, das sind süße, flache Brötchen, die man mit Samba und Kokoschutney isst. Lisa und ich sind hin und weg – leider gibt es die nur dort in der Ecke, bei uns haben wir die noch nie gesehen. Auch für dieses Frühstück lassen wir nur 36 Rupien. Danach verabschiedet sich Liv von uns, mit dem Ziel, sich zurück in Wuppertal’schen Gefilden auf jeden Fall mal zu verabreden.

Lisa und ich nehmen eine Rikscha zu dem Leuchtturm, der ganz in der Nähe von dem Strandteil ist, wo wir gestern schon waren. Als die Rikscha anhält, bemerken wir, dass der Leuchtturm erst um vier Uhr nachmittags öffnet, und wir so also die Zeit irgendwie totschlagen müssen. Wir wandern etwas durch die Straße, am Strand entlang und setzen uns eine Weile auf mittelgroße [was für eine sinnlose Größenbeschreibung] Betonpfeiler, die dort mannigfaltig am Strand herumstehen. Gerade kommt die Sonne raus, wir streifen die Regenjacken ab, sonnen die Gesichter – wie sich später herausstellt, war das etwas zu viel der Sonne, der Guten: Ich trage nun eine rote Stirn und eine sich-pellende Nase mit mir herum. Sieht super aus. Die Kinder, und auch die Lehrerinnen, sind verwirrt. „Your face is red. Why?“ Sonnenbrand kennen die nicht.

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Laura hockt; die Wolken und der blaue Himmel und die Sonne sind sehr hell in den Augen.

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Pfeiler am Start. Dort in der hintersten Reihe sind auch ein paar Pfauen auf den Oberflächen rumgehüpft und haben sich anmiaut.

Wir setzen uns nach weiterem Rumgelaufe um, auf große Steine, ich wollte gerade beginnen, die Szenerie abzuzeichnen, als wir die großen Wolken bemerken, die sich über dem Meer auftürmen. Oh ja, und nicht nur das: Unterhalb, also zwischen Himmel und Wolken und Meer, konnte man die enormen Regenmassen ausmachen, die da in das flächige Nass herabprasseln. Wir wundern uns, wie lange es wohl braucht, bis der Regen bei uns ankommt.

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ich finde die Farben dieses Bildes sehr beeindruckend. Es kommt echt gut an die Realität ran: alles ist grau. Und doch in so vielen unterschiedlichen Tönen. Hier dann also Lisas Blogadresse: inmysoreitsmonday.wordpress.com

Es hat nicht lange gedauert, wir brechen unser Lager ab, ziehen Schuhe an, klappen Bücher zu und verstecken uns schnell unter einem von diesen Buschbäumen mit den großen Blättern. Da gab es dort irgendwie viele von. Wir freunden uns mit zwei lieben Straßenhunden an, und nehmen nach genügend Schmuserei den Bus zurück in die Stadt.

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Lifehack: Wenn man aus Versehen zu viele Ziegel produziert hat kann man auch einfach Mauern daraus bauen.

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da war dieser Krebsmann an der Straßenecke, der gerade Fische (und Krebse, sonst wäre er ja nicht der Krebsmann) aus seinem Fischernetz gepopelt hat. Wir bleiben fasziniert stehen, und ich frage ihn, ob ich mal meinen Finger in die Scheren halten darf. Er sagt „dangerous, no“, und hält zur Anschauung die Krebszange an einen Fisch, woraufhin der Krebs zupackt. Der Krebsmann hält den Krebsfisch hoch, ich muss kichern. Cooler Typ. Wir gehen freudig, über die netten Leute, weiter.

Wir setzen uns erneut in den Eisladen und erwarten Felix, mit dem wir zu Mittag

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lilafarbener Tempel

 essen und anschließend wieder den Weg zum Leuchtturm nehmen, nur diesmal einen anderen, interessanteren, durch die Church Street, entlang an einer Ziegelfabrik, einer Werft [also eine Schiffsfabrik – ich habe erst dieses Wochenende gelernt, dass eine Werft eine Schiffsfabrik ist], über eine Brücke, an einem lilafarbenen Tempel vorbei,

 

durch ein Dorf, über Reisfelder.

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Fotofelix

Inzwischen war dann auch nach vier und wir durften den Leuchtturm zu Inderpreisen erklimmen. War schön.

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ich hock da so. Leider hab ich mir den Kopf da an der Tür gestoßen (wie kann ich wissen, dass die nur für Kobolde gemacht ist), und sitze also lieber mit einer anschwellenden Beule am Rand.

Im Anschluss entschließen wir uns zu der verrückten Idee, noch ins Wasser zu hüpfen, da gerade wieder die Sonne da ist. In der Toilette beim Leuchtturmgelände ziehen wir schnell Badesachen – das heißt in meinem Falle Schlafanzug und in Lisas Fall Kurti und Leggings – an und gehen den kurzen Weg.

Felix warnte vor, dass die Wellen sehr stark seien, wegen der Monsunzeit, aber ich war nicht auf so eine Stärke vorbereitet. Wir waren ja gerade erst einmal fünf Meter ins Wasser gegangen, als wir schon stärkstens von den Wellen erfasst wurden. Zwei oder drei Male hat mich die Wellen erfasst und von den Füßen gehoben. Ich fühle mich wie ein Surfer; der Boden ist mein Surfbrett.

Die Haare und die Kleidung voller Sand, nutzen wir erneut das Badezimmer des Leuchtturmgeländes, missbrauchen das Stromkabel, was da quer von der Ecke mit der Tür bis zum Fenster gegenüber hängt, als Wäscheleine und duschen uns schnell ab. Ich wasche mir noch die Haare. Es war amüsant, die Blicke der Leute zu sehen, die sich wohl fragen müssen: Haben die da gerade echt geduscht? In Deutschland würde man so etwas nie machen. Ich erfreue mich erneut daran, hier zu sein.

Nach dem Schwimmen nehmen wir die gleiche Buslinie wie am Nachmittag, zurück in die Stadt, und essen einen gekochten Maiskolben mit Masalagewürz, der mir die Lippen wegbrennt. Bei zu viel Schärfe werde ich gestresst. Bei der zweiten Maiskolbenhälfte hüte ich mich, die Lippen zu lecken, damit sie ja nicht noch schlimmer brennen, denn innerlich ist das rote Gewürz überhaupt nicht scharf.

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ich mais nicht so recht was ich davon halten soll.

Lisa und ich kaufen noch Bananen und kleine, rote Birnen, verabschieden Felix und sitzen die restliche Zeit ab, bis wir fahren müssen.

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vier Soldaten, noch Fragen?

War ein gutes Wochenende.

Benaulim Beach, Goa, Indien. Frohe Ostern

Genauso gerädert wie in Bangalore kommen wir auch in Goa an.

Die Busfahrt habe ich als ziemlich holprig in Erinnerung. Karlo klagt über Unwohlsein, und als der Bus in der nächtlichen Pampa für eine kurze Mannes-Pinkelpause Halt macht, verlässt er den Bus und übergibt sich kurzerhand. Der Busfahrer, der dabei zugeschaut hat, ruft nur „faster, faster“ rüber. Ein verständnisvoller und herzensguter Mensch. Wenigstens ging es Karlo danach besser; manchmal muss der Scheiß einfach raus.

Von dem Busbahnhof aus nehmen wir noch zwei Busse, bis wir an dem nächstgelegenen Strand ankommen. Der Strand nennt sich Benaulim Beach, und im lonely planet wird geschrieben, dass jener Strand eher ein ruhiger Strand ist, an dem ältere Leute ihren Urlaub machen. Wir sehen viele russische Schilder und auch in den Menükarten der Restaurants gibt es eine russische Übersetzung. Und auch einige Rentner sehen wir dort.

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Mood am Morgen

Wir finden ein nettes, familiäres Hostel, in welchem wir unsere eine Nacht verbringen werden. Ich finde es gut, stets morgens an einem Ort anzukommen, da einem die Zeit, die man an jenem Ort hat, länger vorkommt. In Deutschland – oder auf meinen pre-Indien-Reisen – kam es eigentlich nie vor, dass man morgens irgendwo ankommt; meistens nachmittags, weil man nicht durch die Nacht hindurch fährt.

Bei unserer Ankunft also genehmigen wir uns noch ein kleines Nickerchen, bevor wir zum Frühstück aufbrechen.

Den Rest des Tages verbringen wir am Strand, auf den roten Strandliegen, die zu einem Restaurant gehören. Man darf also den ganzen Tag dort herumlungern und muss als Gegenleistung etwas bestellen.

Wie auch wir haben es sich viele Straßenhunde am Strand gemütlich gemacht. Mir wachsen die Streuner mehr und mehr ans Herz. Unter fast jeder Liege findet sich ein Hund, der sich eine eigene kleine Strandliege [sprich: eine Kuhle] in den Sand gebuddelt hat und dort döst.

Ich kann jetzt schon sagen, dass jener Blogeintrag hier ein Kürzerer wird – wir haben nunmal nicht viel gemacht.

Die Wellen haben wir sehr genossen; es war mein erstes Mal, dass mir das Wasser am Meer so sehr Spaß gemacht hat. Angenehme Temperatur und Wind. Es war interessant, die Energie zu spüren, die solch eine Welle hat. Mehrfach hat es einen ein wenig von den Füßen gehoben.

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war lecker, auch wenn das Gesicht etwas anderes sagt.

Im Restaurant am Abend genieße ich einen sehr guten Avocadosalat. Angeblich ist Indien ein Land, in dem Avocado wächst – allerdings waren Gerichte mit Avocado immer not available, sorry madam, wenn ich danach fragte. Wir glauben jedoch, dass die Saison der butter fruit (so heißt das hier; übrigens meines Erachtens nach ein ausgezeichneter Name für die Avocado) bald beginnt, da wir heute, also Ende Juli, auf dem Markt beim Obststand Avocados haben liegen sehen.

Ich habe von Goa irgendwie mehr erwartet, als diesen verschlafenen Ort am Strand. Was natürlich nicht geholfen hat, war, dass wir in der Off-Saison dort waren. Vermutlich weil es schon zu heiß war. So lagen wir also auch an unserem zweiten Tag nur am Strand herum, spielten Ukulele, schliefen ein wenig und spielten mit den Füßen im Sand und vollem Körpereinsatz in den Wellen.

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Vorne an der Stelle, wo das Wasser am Sand aufkommt, führen zwei Herren eine Kuh am Strick entlang, später wieder zurück. Wir wundern uns darüber, nehmen es dann aber doch hin: Wir sind ja in Indien. Kühe sind da Normalität. Mir fällt allerdings zum ersten Mal dieser enorme Buckel auf, den diese Kuh da auf dem Rücken hat. Die anderen meinten jedoch, dass das ganz normal sei und sie das hier schon oft gesehen haben. Inzwischen sehe ich es tatsächlich ziemlich oft, und finde es eigenartig, dass mir dieses Gewächs nie wirklich aufgefallen ist.

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Als wir da so auf den Liegen liegen, hören wir einige viele Inderkinder hinter uns, die sich um zwei oder drei Frauen sammeln, dessen Gesichter, von Fair-Skin-Creme gebleicht, sich den Kindern zuwenden. Irgendein Startzeichen wird gegeben, und die Kinder fangen an, mit ihren Händen im Sand zu wühlen.

Bei dem Pavillon, der zu dem Restaurant dazugehört, waren große, gepunktete Ballons aufgehangen worden. Die Frauen hatten ihre quadratschlaksigen Handys ausgepackt und machen fleißig Fotos davon, wie die Kinder die lilafarbenen Schokoladenverpackungen aus dem Sand picken. Auch Samuel hat da ein paar Fotos von gemacht, als es uns wie Schuppen von den Augen fällt: Ostern! Es handelt sich nicht um einen Geburtstag oder eine function [eine indische Feierlichkeit], sondern schlichtweg um Ostern.

Als ich am Flughafen in Bangalore auf Karlo wartete, hibblig auf einem Sessel der zu einem Café gehörte, las ich einen Artikel darüber, dass manch ein Bangalorianer Ostern feiern würde – leider nur zur Hälfte, weil dann Karlo kam. Da war mir indisches Ostern erst mal egal.

Jetzt also sehe ich dort die Kids im Sand und diese Freude, wenn sie etwas gefunden haben. Nette Sache.

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Eine weitere kleine Geschichte, die ich von unserer vergleichsweise erlebnisarmen Goa-Zeit erzählen kann, ist jene von dem aufdringlichen Inder, der ein paar Strandliegen neben uns mit einem Freund herumlag. Dadurch, dass Samuel die Ukulele bespielte, kam er auf uns zu und fing ein Gespräch an. In mir kommt schon wieder die instinktive Abneigung hoch, aber ich versuche sie herunterzuschlucken. Sein Freund hatte sich nicht vom Fleck bewegt und saß weiter weg, hielt sich raus [good boy]. Der Inder hat sich etwas zu Essen bestellt und hat uns stetig etwas angeboten, was wir abgelehnt haben – wieder und wieder. Er hat partout nicht aufhören wollen, uns seine paneer tikka anzudrehen. [Dabei handelt es sich um ziemlich leckere käseartige Würfel, dabei gab es noch Chutney und Paprika und anderes Gemüsezeugs, alles (sicherlich) gut gewürzt.] So lecker sein bestelltes Essen auch war, wir alle wollten nicht auf die Kosten dieses unsympathischen Menschens essen, also ließen wir es stehen. Er beharrte, und hatte somit ein Gesprächsthema, was er in unfassbare Längen ziehen konnte. Wahnsinn.

Irgendwann hat sich [ich glaube es war] Samuel überwunden, und dem Herr gesagt, er solle sich nun endlich wieder zurück an seine Strandliege verziehen, weil wir auch Zeit für uns haben wollen. Er tats dann auch, endlich, nach einiger Zeit. Sein paneer-tikka-Teller hatte er bis dahin aufgefuttert. Unaushaltbar, manchmal, diese Aufdringlichkeit.

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Eines der beiden Doppelzimmer, die wir im Rosario’s Inn belegt hatten, durften wir netterweise behalten, so duschte sich ein Jeder nach dem Meer voller Sand noch einmal ab und dann war es auch schon Zeit, zum nächsten Ort aufzubrechen: Mumbai.

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Chrissi schließt ihren Rucksack;

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Sarah nimmt unsere Obsttüte.

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Am Busbahnhof